Auszüge aus Texten von A.E.

Das Wesen der Göttin Dana

SIE ist die hibernische Mutter aller Gottheiten. Sie ist die erste geistige Form der Materie und daher Schönheit. Da jedes Wesen in Form gekleidet aus ihrem Schoß heraustritt, ist sie die Mächtige Mutter, und als Mutter aller ist sie jenes Mitgefühl, das über die Gottheiten hinausgeht und der Göttlichen Gerechtigkeit als endgültige Instanz gilt.

 

Die Vision von der Göttin Dana, wie sie A.E., dem Barden begegnete

Einst lag ich in den Sanddünen ausgestreckt am Meer des Westens. Die Luft schien voller Melodien zu sein. Das Wehen des Windes verursachte eine ununterbrochene musikalische Schwingung. Ab und zu drang ein Silberklang wie von Glocken an mein Ohr. Dies ging eine Weile so, ohne daß ich etwas sah. Dann verstärkte sich das Licht vor meinen Augen wie das Aufblitzen von Sonnenlicht in einem Kristall. Alles weitete sich, als ob ein Tor geöffnet wurde, und ich sah, wie das Licht dem Herzen einer leuchtenden Gestalt entströmte. Ihr Körper war von Licht durchflutet, als ob Sonnenfeuer statt Blut in ihren Adern rinne. Licht strömte von ihr aus. Sie schwebte über mir auf dem Wind und hielt eine Harfe, umwirbelt von ihrem goldenen Haar, das über die Saiten ihres Instrumentes fegte. Vögel umkreisten sie, und über ihrer Stirin erhob sich feuriges Gefieder wie ausgebreitete Vogelschwingen. Auf dem Antlitz lag die Verzückung von Schönheit und unsterblicher Jugend.   

 

Vision von TirNanOg

Es war an einem warmen Sommertag, als ich müßig am Hügelrand ausgestreckt lag und mit keinem anderen Gedanken beschäftigt war als mit dem Sonnenlicht, und wie angenehm es war, darin zu dösen. Da durchbebte mich plötzlich ein heftiger Herzschlag und ich erkannte, daß etwas persönliches, etwas wesentliches geschah. Ich fuhr hoch, alle Sinne geweitet und gespannt, und als ich mich meinem Inneren zu wandte, vernahm ich zunächst den Klang von Glocken, die sich immer tiefer in jenem wunderbaren Land verloren, wohin sich der Sage nach die Gottheiten des Tuatha de Danaan zurückgezogen hatten. Darauf öffnete sich mir das Innere des Hügels und ich sah, daß für dessen Bewohner kein Hügel existierte, daß sie sich des massiven Berges über ihren lichterfüllten Palästen nicht bewußt waren. Heir perlten die Winde klar wie Diamanten, jedoch gleichzeitig voller Farben wie ein Opal, so funkelten sie durch das Tal, und ich wußte, daß ich mich mitten im Goldenen Zeitalter befand, und daß wir ihm gegenüber blind gewesen waren, aber daß es niemals aus der Welt verschwunden war.                                                                  

(aus A.E. "The Candle of Vision", MacMillan, London, 1918)

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