Anrufung an die Göttin Aphrodite

Veilchengekrönte Cytherea, strahlende Aphrodite, Venus des Morgen- und Abendsterns, wir bitten um Deine Hilfe! Komm zu uns, die Du vom feuchten Hauch des Westwindes geboren worden bist, der Dich einst Schaum umschmeichelt über über das laut tosende Meer geweht hat, dorthin, wo Dich die goldgekleideten Horen freudig willkommen hießen. Komm zu uns in den himmlischen Gewändern, in die Dich die Horen kleideten, auf dem Haupt die kunstvoll gearbeitete goldene Krone, und in Deinen durchstochenen Ohrläppchen Blüten aus Messing und getriebenem Gold; und über Deinen Nacken gestreift Deine schneeweißen Brüste zierend goldene Geschmeide, wie sie die Horen im lieblichen Tanz vor den Gottheiten tragen. Du bist die Göttin, die voller Freundlichkeit Gaben unter die Menschen verteilt. Schenke uns Schönheit, Freude und Liebe!

 

Orakel der Göttin Aphrodite durch ihre Priesterin

Tauscht nicht meine einfachen Geschenke der Freude am Augenblick und der Süße in den Wildrosen und der Liebe in den Augen lachender Kinder gegen Phantasien zukünftiger macht und zukünftigen Besitzes. Der Funken im flammengefüllten Feuerstein ist ebenso wunderbar wie der Strahlenglanz des Diamanten. Die natürliche Schönheit der Blumen und Gräser um euch herum ist nicht befleckt durch Blutvergießen. Denn alle Macht und aller Besitz, die ihr durch harte Kämpfe und selbstzugefügten Schmerz, durch Habgier, Gier, lange schlaflose Nächte und das Opfer der Ruhe des Augenblicks erlangt, trägt das Vermächtnis des Elendes und der Verwirrung in sich. Bitterkeit und Verwirrung verletzen die Seele. Ihr bittet mich um Schönheit, Freude und Liebe; doch habt ihr all dies im Überfluss, sogar zu euren Füßen! Ihr verliert euch selbst, eure Seele, euren Frieden im unstillbaren Hunger nach dem Geliebten, der euch dann vernachlässigt. Doch um euch herum sind viele, die sich nach eurem Lächeln sehnen. Ihr strebt nach Inspiration für eure Kunst, und ihr kämpft um Anerkennung - und dabei missachtet ihr den Zauber einer verwilderten Winkels im Garten und dessen, was ihr "Unkraut" nennt. Den heilbringenden Löwenzahn grabt ihr aus oder ihr vergiftet ihn. Umsonst versucht ihr, fremde Pflanzen anzusiedeln, die dann in einem ihnen unfreundlichen Klima sterben.

Doch weil ihr die Freude sucht, seid ihr schon jetzt glücklich, tief in eurem Inneren... wenn ihr nur eure verborgene Quelle der Ekstase erkennen könntest! Die Pforte zur Ewigkeit führt durch den Augenblick in der Gegenwart. Es gibt keine andere. Ihr tretet in einer Tretmühle, die niemals enden zu wollen scheint in den Stufen der Zeit. Tretet in einem stillen Augenblick einen Schritt zur Seite, und ihr werdet sehen, daß alle Zeit -Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft- bei euch ist  in allem, das ihr anziehend, freundlich und erfreut bewundert. So werdet ihr meine Schönheit in einem Gesicht finden, meine Liebe spüren in eurer Zuneigung zu einer Henne, die ihre Eier beschützt,  und Frieden erfahren im Gurren der Wald- und Turteltauben  wenn mein Stern im Zwielicht am Horizont aufsteigt.

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