Das Mysterium der Kinder von Lir

Orakel der Göttin Brighidh

Priesterin: Dreifache Göttin Brighid, Mädchen, Braut, Große Königin, wir wollen unsere Seelen erwecken, um mit der Welt der Geister zu kommunizieren. Denn wir wissen, daß wir unvermeidlich in das Land reisen, wo jene wohnen, die den Schleier zum Großen Unbekannten durchschritten haben. Erhebe uns in dein Himmelreich ewiger Freude und Güte.

Orakel:

Die Trennung zwischen diesen Welten existiert nur in eurem Bewusstsein; In Wirklichkeit reist ihr in andere Ebenen, während euer Körper schläft. Nur zur Zeit der Zwielichte - in der Morgen- und Abenddämmerung, zu Bealtaine und Samhain wird dieser Schleier für jene gehoben, die nach einem Höheren Bewusstsein streben. Alle Ebenen sind Teil einer mächtigen Zeitspirale, die durch den Raum reist. Das Bewusstsein erweitert sich mit deren Ausdehnung.

Die Magier lernen die Kunst des Auf- und Absteigens in der Spirale, indem sie, statt durch die sich wiederholende Geburt auf dem Rand der Spirale entlangreisen, direkt in den Mittelpunkt der Kosmischen Spirale eintreten. Dort, zentriert in der alles durchdringenden Gottheit, können sie alle Sphären nach Belieben erfahren. Ich bin es, die den neugeborenen Seelen das Taufwasser spendet, das Wissen und Inspiration bringt. Mein feuriges Rad ist es, das die kreativen Künstler und alle anderen inspiriert, die diese Welt zum Besseren wandeln wollen. Und schließlich entziehe ich mit einer Berührung durch meinen Schlangenstab die Seele ihrer materiellen Existenz und führe sie durch das Dolmentor in die Welt jenseits des Grabes.

Die Magier des Kollegiums der Weisheit, das in allen Ländern existiert, lernen, ihr äußeres Selbst zu verwandeln und in wechselnden Gestalten zu erscheinen. So können sie sich vielen Seins-Sphären anpassen und Erfahrungen vergangener Daseinszyklen erfahren, aber auch aus dem Wissen der Zukunft lernen.

Durch Metamorphosen durchleben sie wieder ihre Entwicklungsreise von der Amöbe über Fisch, Reptil und Säugetier zum Menschen; und sie erkennen sich als die Schwingentragenden Sidhe. Das Gute machen sie sich zueigen; das Üble weisen sie zurück.

Durch die Vereinigung mit ihrem Wahren Selbst berühren diese pilgernden Seelen die Göttliche Essenz. Von da an können sich die Götter und Göttinnen durch sie manifestieren, individuell und einzigartig; sodaß nichts von der Persönlichkeit verlorengeht. Zu Beginn einer jeden Handlung steht der Magier der Gottheit mit Verehrung gegenüber. Um aber sein Werk zu vollenden, muss er der Gottheit den Rücken zuwenden, die ihn dann aus dem Hintergrund durch das Einfließen geistiger Kraft erleuchtet. So werden große Werke vollendet. Aber wenn alles zum Guten vollendet worden ist, dann kehrt der Magier wieder zur Gottheit zurück, bedankt sich und gibt Krone und Stab an Sie zurück, aus deren Händen er sie erhalten hat. Ebenso sollen die Schwanenkinder mit Demut zum alltäglichen Dasein zurückkehren, und wissen, daß sie zur Morgen- und Abenddämmerung, im Frühling und Herbst, die Erde und die Welt der Geister in Einklang bringen können.

AM EINGANGSTOR. PRIESTERIN TRÄGT KUPFERNE SCHLANGENKRONE, INDIGOBLAUEN UMHANG MIT SCHLANGENMUSTERN IN GOLD, PURPUR & GRÜN.

PRIESTER TRÄGT INDIGOBLAUE KOPFBEDECKUNG & UMHANG MIT DRACHENMUSTER IN ORANGE, SCHARLACHROT UND BLAU. ER TRÄGT EINEN LANGEN STAB. TEILNEHMENDE TRAGEN KUPFERNE STIRNREIFEN & VIELFARBIGE UMHÄNGE MIT GÄLISCHEN MUSTERN. SIE TRAGEN KEKSE UND HONIG ALS GESCHENKE.

Priester: Gefährtinnen und Gefährten; an diesem heiligen Samhainfest haben wir uns versammelt, um die Gemeinschaft mit den Geistern aus anderen Sphären zu erfahren. In dieser Zeit ist der Schleier zwischen der geistigen Ebene und der unsrigen gehoben. Die Dolmentore zu den Sidhe-Hügeln des Feenvolkes sind geöffnet. Lasset uns der Sitte unserer Vorfahren folgen, die den von ihnen geliebten Familien und Freunden in der Geisterwelt Speise anboten und den Gottheiten und Feen opferten.

Priesterin: Die Zeit von Samhain vom 31. Oktober bis zum 2. November wurde von den Magiern des inselkeltischen Kollegium der Weisheit dazu genutzt, Kandidaten in ihr Mysterium zu initiieren. Der auserwählte Kandidat wurde vom Hierophanten durch das Dolmentor in die innere Kammer eines Tumulus geführt. Die Heilige Dreiheit der Ältestens invozierte die Anwesenheit der Morrigan, der Göttin der Mysterien. Der Kandidat wurde darauf auf einen Sarkophag gelegt; und der Magier-Hierophant versetzte ihn oder sie in einen Zustand kataleptischer Trance. Der Körper verharrte drei Tage lang in diesem todesähnlichen Zustand, und wurde währenddessen von einem Hund zu Füßen des Sarkophags bewacht.

Während die Magier beteten, wurde die Seele des Kandidaten von einem Geistigen Führer mitten ins Innere der Erde geleitet, um sich dort einer Reihe von Prüfungen zu stellen.

PRIESTER: Wenn der Kandidat erfolgreich war, wurde er wieder an die Erdoberfläche zurückgeführt, und stieg von dort durch die Sphären von Mond, Sonne und den Sternen auf. Der erfolgreiche Kandidat verbrachte den Winter mit dem Magiern in ihrem Kollegium, wo er lernte, das Wissen und die Macht, die er durch die Initiation erreicht hatte, mit Weisheit anzuwenden. Wenn am 1. Februar die Aufnahme des Kandidaten bekanntgegeben worden war, wurde der neue Magus der jubelnden Menge am Dolmentor vorgestellt, gekrönt mit einer Kupferkrone oder einer priesterlichen Kopfbedeckung, mit einem Stab in der Hand. An diesem Fest zu Ehren von Brighidh, der Frühlingsbraut, gibt das neue Mitglied des Kollegiums mit erhobenem Stab allen Lebewesen einen Segen.

PRIESTERIN: Lasset uns eine Prozession zum Hochaltar machen.

MUSIK. PROZESSION. DER HOCHALTAR IST MIT EINEM WEISSEN TUCH GEDECKT. DARAUF STEHEN 9 ENTZÜNDETE KERZEN, EIN GEFÄSS MIT WASSER UND BRENNENDES RÄUCHERWERK. IN DER NÄHE STEHT EIN TISCH MIT SPEISEN UND EIN GONG. DIE TEILN. STELEN IHRE GABEN AUF DEM TISCH AB.

DIE PRIESTERIN OPFERT RÄUCHERWERK UND ERHEBT IHREN STAB.

PRIESTERIN: Ich invoziere die Göttin Brighid, die Tochter von Dana, Göttin der Poesie und der Heilung und aller Quellen und Brunnen.

DIE PRIESTERIN SALBT ALLEN TEILNEHMENDEN DIE STIRN MIT WASSER UND SPRICHT: Mögest du wahre Visionen und Inspiration empfangen.

PRIESTERIN: Lauschet den Worten, die Brighid sprach, als sie der alten Mairi Ni Ruaridh Donn erschien, die sie in der Gestalt der Heiligen Bridget des Mantels geheilt hatte, von der es heißt, daß sie ihren Mantel dem Jesuskind gegeben habe.

Ich bin älter als Brighid des Mantels, Mary; und du solltest das wissen. Ich habe Musik und Gesänge in die Winde gewoben noch ehe jemals die Glocken einer Kapelle im Westen geläutet oder im Osten gehört worden wären. Und ich war ein Atemzug in deinem Herzen. Und der Tag wird anbrechen, an dem ich in die Herzen der Männer und Frauen kommen werde wie eine Flamme im trockenen Gras, wie ein Flammenwirbel in einem großen Wald. Denn die Zeit der Veränderung ist nahe, Mairi nic Ruaridh Donn, wenn auch nicht für dich, du altes verwittertes Blatt an einem trockenen Zweig; und dennoch auch für dich, wenn du zu uns kommst und all die Dinge in den Teichen des jenseitigen Lebens siehst.

PRIESTERIN OPFERT RÄUCHERWERK UND ERHEBT IHREN STAB.

PRIESTERIN: Ich rufe die Dunkle Göttin, die Morrigan. Heil dir, Macha, die Krähe, Winterkönigin; altes verwittertes Blatt am trockenen Zweig!

PRIESTER OPFERT RÄUCHERWERK UND HEBT SEINEN STAB.

PRIESTER: Ich invoziere Manannan Mac Lir, den Gott des Ozeans; Lauschet den Worten von Murdo Mac Ian, der erzählt, wie Manannan ihn auf den Hebriden besuchte: "Wenn er zur Tür hereintritt ist er immer derselbe; ein großer Mann, der große Schönheit ausstrahlt; seine Hände sind in dem weißen Umhang, den er trägt, verborgen; unter seinen Fußsohlen erstrahlt eine leuchtende kalte wirbelnde Flamme; und er trägt einen gefiederten Helmbusch, der wie weißes Cannaschilf im Wind weht. Als er mich berührte sah ich, daß seine Arme wie Wasser waren, und ich sah das zwischen seinen Handknochen dahintreibendes Seegras. Und als er wieder zu mir kam sagte er: "Murdo, du hast ein reines Herz. Und bevor du deinen langen Schlaf haben wirst, sollst du dreimal achzig Jahre lang Jugend und Freude haben. Und dies ist ein Versprechen, das sich erfüllen wird, wenn die Wildgänse wieder gen Norden ziehen!" und er stand auf und ging davon. Ich sah, wie er ins Meer hineinging und hörte, daß er große Steine herumwirbelte und schleuderte. "Dies sind die Königreiche der Welt", hörte ich ihn in den Nebel rufen.

PRIESTERIN: Und als die Wildgänse in diesem Jahr gen Norden zogen, da zog die Seele von Murdo Mac Ian mit ihnen. Er ging an jenen Ort, den Mananaan ihm versprochen hatte.

Seid sicher, daß sich das Versprechen von Freude und Jugend, das ihm gegeben worden war, nun für ihn erfüllte.

PRIESTER: Damit wir etwas über die andere Welt lernen, zu der wir alle am Ende eines Lebens gehen, möge ein Mysterium aufgeführt werden.

DER GONG WIRD ZWEIMAL GESCHLAGEN.

Mysterium der Kinder von Lir

ROLLEN:

PUTZFRAU MIT SCHWARZEM UMHANG, DIE EINEN LANGEN SCHRUBBER TRÄGT.

PHILOSOPH, SCHRIFTSTELLER & OKKULTIST MIT MESSER TRAGEN SCHWARZE UMHÄNGE.

KÖNIG LIR UND KÖNIGIN AOIFE IN KÖNIGLICHER AUSSTATTUNG.

TÖCHTER UND SÖHNE VON LIR IN WEISS;

SIDHE IN ROT, GRÜN, BLAU UND GELB.

 

PUTZFRAU (ÄRGERLICH DEN FUSSBODEN SCHEUERND): Als ob nicht schon diese Jagdgesellschaften mit ihren feinen Herren, die ihre Zigarrenkippen und leere Whiskeygläser im ganzen Haus verstreuen, schlimm genug wären; aber diese Okkultisten sind noch schlimmer! Da muss ich, erschöpft wie ich bin, noch hier auf den Knien rutschend scheuern, um diese frische weiße Farbe von meinem schönen frischgewienerten Fußboden abzukriegen! Und der ganze Platz ist von dem stickigen Qualm irgendeines zum Himmel stinkenden Zeugs erfüllt, und meine Hände hier sind schwarz von den Räucherkohlen.

Ah - da kommen die drei Herren ja; ich will mich mal lieber rar machen. (ABTRITT PUTZFRAU, GRUMMELND, VERWÜNSCHUNGEN AUSSTOSSEND.)

(EINTRITT PHILOSOPH, SCHRIFTSTELLER UND OKKULTIST)

PHIL.: Als Imperator der Gälischen Ältesten des Ordens der Goldenen Dämmerung habe ich unsere Triade für ein wichtiges Vorhaben zusammengerufen. Wie können wir, die wir die Triade der Philosophie, der Künste und des Okkulten repräsentieren, die Alte Weisheit ans Licht bringen, von der es die Magier für sinnvoll hielten, sie unter den widerspruchsvollen Fabeln der keltischen Mythen zu verbergen? Dennoch muss es uns gelingen, wenn unsere Keltische Renaissance stattfinden soll.

SCHRIFTST.: Ich sehe diese Schwierigkeiten ein. Die bewusste Kunst Griechenlands ist in ihrem Denken und Ausdruck gleichermaßen harmonisch und einleuchtend und hat darum Denker und Künstler dreitausend Jahre lang inspiriert. Den keltischen Magiern ist es erfolgreich gelungen, ihre Geheimnisse unter einem Wirrwarr turbulenter und irrationaler Legenden zu vergraben. Die Götter und Göttinnen sind hinter ihren Namensgefährten verborgen, jenen sterblichen Königen und Königinnen, die nur allzu menschlich waren. Außerdem ist es ein Problem, daß wir kein Gälisch lesen können.

OKK.: Wir können nach unserem Willen die Mächte beschwören!

PHIL.: Wie denn?! Wir können nur die kabbalistischen und die ägyptischen magischen Beschwörungen anwenden. Indem wir diese benutzen, könnten wir nur allzu leicht unsere gälischen Geistwesen verärgern, wenn diese ebenso nationalbewusst wie ihre irdischen Nachkommen sind!

OKK.: Ich bin entschlossen, die Drei Geheimnisse der Gälischen Magier zu entdecken: die Kosmische Spirale, das Dolmentor zu den Sphären und die Metarmorphose.

PHIL.: Was?! Willst du uns etwa in Schwäne verwandeln?

OKK.: Wissen, wagen und die Folgen tragen - das ist meine Art. SUCHT DEN FUSSBODEN AB. Wo ist mein Dreieck? Na gut...Jetzt ist der Zeitpunkt da. Dann müssen wir eben ohne zurechtkommen.

ER HOLT SEIN MESSER HERVOR UND ZIEHT EIN ANRUFENDES PENTAGRAMM.

OKK.: Ich rufe die Göttin des Okkulten, die Morrigan! Möge sie Licht ins einst Verborgene bringen.

AUFTRITT PUTZFRAU. SIE KLOPFT DREIMAL MIT DEM SCHRUBBERSTIEL AUF DEN BODEN. Ich bin die Morrigan! Ich komme nicht wegen eurer Beschwörung, sondern nach meinem eigenen Willen. Das, was ihr euch vorgenommen habt, ist nicht unmöglich, aber für euch könnte es das werden. Denn um bei eurer Suche erfolgreich zu sein, müsst ihr den Gälischen Gottheiten die Anerkennung ihrer Göttlichkeit entgegenbringen. Das aber wagt ihr nicht, denn die Angst und der Respekt ist noch immer Teil eures patriarchalischen Erbes. Aber wenn ihr versagt, könnt ihr immernoch die Fackel an eure Kinder weitergeben.

MORRIGAN TRITT ZUR SEITE UND HEBT IHREN SCHRUBBER.

AUFTRITT KÖNIG LIR.

MORRIGAN: Betrachtet das Mysterium der Kinder von Lir mit dem Auge der Vision.

MUSIK. TCHAIKOWSKYS "SCHWANENSEE" IST PASSEND.

MORRIGAN: Seht den vom Kummer gebeugten König Lir. Seine vier wundervollen Kinder, die Zwillinge Finuala und ihr Bruder Aodh und Fiachre und Conn, die edlen Söhne des Königs wurden von ihrer Stiefmutter verhext und in schwanengleiche Sidhe verwandelt. Obwohl sie noch am Leben sind, sind sie für ihren Vater wie tot.

LIR: Oh weh! Seit Aobh, die Mutter meiner geliebten Kinder gestorben ist kenne ich nichts als unaufhörliches Leid. Um die Erinnerung an meine Gemahlin zu erhalten, habe ich in zweiter Ehe ihre Schwester geheiratet. Aber Aoife, meine zweite Königin ist eine böse Zauberin! Sie sprach schreckliche Zauber über die Kinder und verwandelte sie mit einem federleichten Streich ihres Schlangenstabs über ihren Köpfen. Sie verwandelte sie, gab ihnen eine andere Gestalt. Nun sind sie mir verloren.

AUFTRITT DER KINDER VON LIR, IN TRANCE, LÄCHELND.

FINUALA: Kommt, meine Brüder; lasset uns die Sidhe des Feuers und der Erde, des Wassers und der Luft zusammenrufen, damit sie sich in unseren Tanz einreihen!

EINTRITT DER SIDHE. SIE TANZEN.

FINUALA: Langsam werden wir aus dem Ei geboren, das liebevoll durch das Feuer unserer Mutter gewärmt wurde. Wir machen unsere ersten unsicheren Schritte auf der Erde. Wir gewinnen Vertrauen und wagen uns an den Rand des Wassers. Kommt, lasst uns in einer Reihe hinter unserer Mutter auf dem stillen Wasser treiben!

DIE TANZENDEN DREHEN SICH, ALS WÄREN SIE AUF DEM SEE.

FINUALA: Wir bewundern unsere vollkommenen Spiegelbilder, doppelt und dennoch in stiller Schönheit mit ihnen vereint. Das Wasser gerät in Bewegung, und wir öffnen unsere Schwingen und erheben uns in den Himmel! Während wir uns der Sonne nähern, formen wir ein Dreieck. Aber Stürme erheben sich, und wir finden Zuflucht auf einer bewaldeten Insel. Wir reden über die Liebe.

DIE TANZENDEN BILDEN PAARE.

Und wir finden andere Seelen, die sich zu uns gesellen.

FINUALA (ZU LIR): Die Alten werden wieder jung, wenn sie sich in unseren Tanz einreihen. Weit entfernt von hier, da gibt es eine Insel; rundherum leuchten die Gischtmähnen von Manannans Rossen, und gleiten auf ihrer weißen Rennbahn an der strahlenden Küste entlang. Komm mit uns, Vater; wir tragen dich auf unseren Schwanenschwingen!

AODH: Dort gibt es einen riesigen Baum voller Blüten. Die Vögel singen in seinen Zweigen und ihr Gesang klingt über die sanften Ebenen, die in allen Farben erstrahlen. Komm mit uns, Vater; wir tragen dich auf unseren Schwanenschwingen!

CONN: Vater, sei wie der unsterbliche Manannan. Er reitet mit uns in seinem goldenen dreispeichigen Rad; eingehüllt im magischen Nebel gleiten wir übers Meer in den Himmel hinauf. Komm mit uns Vater; wir tragen dich auf unseren Schwanenschwingen!

LIR: Verhexte Kinder; wollt ihr unsere edlen Gäste schmähen, die euch beim Festessen erwarten? Wollt ihr nicht wie einst am Kopf des wilden Ebers und gutem Ale teilhaben?

FINUALA: Dieses Mahl wollen wir nicht. Der wilde Eber ist unser Freund in Tir-na-nOg. Die Wilde Jagd ist dort unbekannt.

LIR: Finuala, Prinzen halten um deine Hand an. Willst du nicht wie einst mit ihnen lachen und deine Wahl treffen?

FINUALA: Auf Manannans Rad bin ich dreimal dreihundert Jahre in die Zukunft gereist; und ich habe über die Einsamkeit, die ich dort vorfand, bittere Tränen vergossen. Von diesem wunderschönen Palast waren nur noch Ruinen übrig; und die edlen Prinzen ruhten unter grasüberwucherten Grabhügeln. Jetzt sind sie für mich wandelnde Schatten im Land der lebenden Toten.

LIR: Aodh, Fiachre, Conn; werdet wieder zu Männern! Kommt mit uns zur Jagd, und kämpft tapfer mit unseren Helden in den Fehden gegen die Feinde unseres Königreiches!

AODH: Einst habe ich mich in den Strahlen von meinem Lichtschwert gesonnt. Aber in Tir-na-nOg gibt es keine Fehden. Hier im Vielfarbigen Land gibt es kein Leid, keinen Kummer, keine Krankheit. Ich werde nicht mehr töten - weder Mensch noch Tier. Vielmehr suche ich nach dem Göttlichen, mit dem alles beseelt ist.

FIACHRE: Auf Manannans Rad bin ich dreimal dreihundert Jahre zurück in die Vergangenheit gereist; und bitterer Kummer erfüllte mich, als ich den Fall von Königreichen, den Tod von Helden und die Trauer der Frauen sah. Ich erkannte, daß dabei nichts Gutes herauskam. Ich werde nicht mehr kämpfen. Der liebliche Klang der Musik und edle Poesie werden unsere Seelen heilen.

CONN: In Tir-na-nOg gibt es weder "mein" noch "dein". Dort lebt ein unvergleichliches Volk frei von Sünde und Grausamkeit. Obwohl die Landschaft von Irland wunderschön anzusehen ist, erscheint sie öde, wenn du die Große Ebene kennengelernt hast. Durch die magische Kunst werde ich lernen, ein besseres Reich auf dieser Erde zu erschaffen.

LIR: Mein Herz ist gebrochen. Ich sehe, wie sich meine Kinder in unwirklichen Visionen verlieren. Wer vermag es, diesen Zauber zu brechen? 

EINTRITT KÖNIGIN AOIFE MIT SCHLANGENSTAB.

AOIFE: Das kann nur die, die ihn aussprach! Ich würdige deine Treue zu der überlieferten Lebensweise, Großer König. Aber auch wenn es Leid mit sich bringen mag, so wird dennoch die Verwandlung der menschlichen Seele zu jenen kommen, die danach streben. Du solltest deine Kinder nicht gegen ihren Willen beschützen. Die Kinder des Lichtes werden Schwingen tragen. Wisse, daß ich in Wirklichkeit die in menschlicher Gestalt verborgene Morrigan bin! Und du bist in deinem wahren Selbst der Gott Lir des alles enthaltenen Ozeans des Weltalls.. Meine Kraft nimmt zur Wintersonnenwende ab, um für den Frühling Platz zu machen.

MUSIK. SIBELIUS' "SCHWÄNE VON TUANELA" IST PASSEND.

AODH, FIACHRE UND CONN SINKEN LANGSAM IN TRANCE ZU BODEN.

MORRIGAN ZU FINUALA: Finuala, meine Schwester, zeige dein wahres Selbst! Kehre als Weiße Frühlingsbraut zur Erde zurück, als Göttin Brighid!

MORRIGAN ÜBERGIBT FINUALA IHREN SCHLANGENSTAB.

MORRIGAN: Bring die geflügelten Seelen unserer Kinder zu diesem wunderschönen Land zurück. Sie sollen Weisheit, Freude und Verzauberung in die Welt der lebenden Toten bringen. So wird es eine gute Ernte geben. Aber wisse, daß sie sich, wenn Samhain näher rückt, wieder nach Tir-na-nOg sehnen werden; und ich werde zurückkehren. Sie werden durch die Nacht hinauf in ihren Sternenhimmel fliegen.

MORRIGAN GEHT.

BRIGHID BERÜHRT DIE STIRN DER DREI SCHLAFENDEN MIT DEM STAB.

LANGSAM ERWACHEN SIE UND STEHEN AUF.

BRIGHID: Oh Geflügelte Dreiheit, kehrt zur Erde zurück! Das geheiligte Zeichen auf dem Heiligen Berg erstrahlt im weißen Feuer. Aus dem höchsten Himmelreich steigt auf die Erde herab! Zur Erde, der Zauberin, der Mutter, unserem Zuhause; zu dir eilen wir, entzückt von deinem feurigen Hauch und eingehüllt in Zärtlichkeit. Die heimwärts ziehenden Schwäne schweben in der Himmelskuppel unsicher über ihrem Nest, voll von verschwommenen Träumen einer süßen Ruhe, einem anderen Zuhause.

Meine Brüder, Weiser, Barde, Magier, von nun an sollen eure Nächte wie Tage sein, und eure Winter sollen ewiger Sommer sein. Für euch gibt es keinen Tod. Ihr seid verwandelt.

LIR WIRD VON SEINEN KINDERN UMARMT. DER GONG WIRD EINMAL GESCHLAGEN. ENDE DES MYSTERIUMS.

PRIESTERIN: Gefährtinnen und Gefährten; die heilige Zeit ist für uns gekommen, um die Gemeinschaft mit jenen zu erfahren, die uns mit guten Absichten aus der Welt der Geister besuchen. 

GEMEINSCHAFT WIRD ERFAHREN. NACHRICHTEN WERDEN MITGETEILT. LIEBEVOLLE AUSSTRAHLUNG WIRD AUSGESENDET UND EMPFANGEN.

PRIESTER: Lasset uns unsere Gaben darbieten.

KUCHEN, KEKSE UND HONIG WERDEN DEN WILLKOMMENEN GÄSTEN AM ALTAR ANGEBOTEN. ALLE ERFREUEN SICH AM GASTMAHL.

PRIESTERIN UND PRIESTER DANKEN DEN GOTTHEITEN.

PRIESTER: Mögen sich all unsere geliebten Gäste aus den anderen Sphären und auch wir uns mit dem Göttlichen Segen entfernen.

Finis


Es wird darauf hingewiesen, dass die Übersetzung nur zum privaten Gebrauch innerhalb der Fellowship of Isis bestimmt ist.

Die Übersetzung ist autorisiert durch Rt. Rev. Claudia, AU FOI, Ardbandroi DCOD; GLC Noble Order of Tara; Hon. Member Circle of Isis, Isian News and Mirror of Isis contributing editor, die FOI Global website Germany

  Rt. Rev. Olivia Robertson has legally transferred the copyright of these materials to the three authorized global FOI central websites of Rt. Rev. Caroline Wise, London, Rt. Rev. Linda Iles, USA, Rt. Rev. Claudia Wehmeyer, Germany. All rights reserved, please do not reproduce. Fellowship of Isis rituals are to be enacted by FOI members only.

 

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