Die Tradition der Heckenschule von Tara
Menschen, die mit der Geschichte Irlands vertraut sind, werden wissen, dass es eine grausame Zeit gab, in der es irischen Frauen und Männern verboten war, in Schulen Unterricht zu erteilen. Das Sprechen oder gar Lehren der gälischen Sprache war von den englischen Invasoren ebenfalls verboten worden und wurde strafrechtlich verfolgt.
In jener Zeit erfanden die Iren die Heckenschulen, oder besser, sie besannen sich auf die Heckenschulen zurück. Zumeist lagen diese Heckenschulen an abgelegenen und versteckten, sorglich vor den Engländern geheimgehaltenen Orten - oft in den Moorlands, manchmal an Heiligen Orten des vorchristlichen Glaubens.
Die Heckenschulen waren für die meisten irischen Kinder die einzige Chance, solche lebensnotwendigen Dinge wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Die Unterrichtssprache war das Gälische; und neben dem oben beschriebenen Stundenplan lernten die Kinder die Natur ihrer Umgebung kennen.
Die Lerche unterstütze die Musikstunden mit ihrem Lied; und vielleicht erfreute sich der ein oder andere aus dem Volk der Siddhe, verborgen in der Gestalt eines Eichhörnchens in der Hecke, an der melodischen Stimme des Lehrers, wenn er eine der alten Legenden seinem aufmerksam lauschenden Publikum vortrug...
In den alten Zeiten richtete man eine Hecke als Grenze auf zwischen der Wildnis und der Ansiedlung oder dem Platz, wo die Menschen ihre Rundhütten gebaut hatten. Man stellte sich die Siedlung des Clans, umgeben von einer dornigen Hecke, als einen überschaubaren Ort vor, sicher und geschützt vor Eindringlingen, die sowohl aus der materiellen wie aus der immateriellen Welt kommen konnten.
Die Toten wurden außerhalb der Ansiedlung begraben oder verbrannt. Manchmal brachte man Opfergaben und Weihegaben an den Grenzen der Ansiedlung dar, um damit die Geister auf der "anderen Seite" der Hecke zu halten. Die Wildnis wurde als Wohnort ebenso der Siddhe wie aller anderen nicht-körperlichen Wesen betrachtet.
Das kirchliche Dogma hat all diese zu Dämonen erklärt; die geistigen Ahninnen und Ahnen der Heckenschule, Schamanen und Schamancas aller Naturreligionen haben jedoch eine ganz andere Vorstellung bezüglich der Gesellschaft der Wildnis.
Da gibt es die Siddhe und die Naturgeister, die Seelen der Verstorbenen und verschiedene Ortsgottheiten, Ortsgeister und Elementewesen. Manche waren den Menschen durchaus wohlgesonnen; andere galten als übeltäterisch und viele stellte man sich als ambivalent vor.
Im Altdeutschen begegnet und der Ausdruck "Hagzussa, "Hagazussa" oder "Hagzusse" für eine weise Frau. "Hag" bedeutet "Hecke"; und eine Hagzussa ist somit eine Frau, die auf der Hecke sitzt. Dies macht sie zur Botschafterin zwischen der Welt der Geistwesen und der materiellen Ebene, der Ansiedlung. Indem sie auf der Hecke sitzt, überblickt sie sowohl die "sichere" Ebene des Dorfes als auch die geheimnisvolle Welt der Geister; sie steht in Kontakt und kommuniziert mit beiden. In einem übertragenen Sinn hat sie die Grenze zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt, zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung überwunden und ist so dazu in der Lage, sich in mehr als einer der Welten zu bewegen.
Die Schüler/innen der Tara Heckenschule machen bei ihrem Eintritt einen Schritt, der dem der Hagazussa gleicht, die "reitend" auf der Hecke als Botschafterin zwischen der Welt der Menschen und jener der Geistwesen vermittelt.
Jenseits der Sicherheit dessen, was Du zu wissen glaubst, trittst Du ein in das unsichere Land neuer Einsichten und Erfahrungen in der noch unerforschten Wildnis deines Geistes ebenso wie in der weiten Welt um dich herum. Dennoch gibt es keine Grund, sich vor irgend etwas zu fürchten, das uns auf diesem Weg begegnen kann. In der Tara Hedge School wandeln wir unter den schützenden Schwingen der Gottheit!
Immer, wenn Du einen Weg betrittst, der in die Wildnis führt, kannst Du in die Heckenschule eintreten; denn die Heckenschule ist mehr als eine Schule hinter den Hecken in der materiellen Ebene - ebenso ist es die Schule der Hecken - ein Ort, an dem du sogar von den Hecken lernen kannst.
Kommunikation mit denNaturwesen ist hier Teil deiner Arbeit. Ebenso wie in den traditionellen Heckenschulen findet ein großer Teil des Lernens im Freien statt.
Du solltest einen Schrein für die Göttin bei Dir zu Hause haben. Es ist wunderbar, wenn auch nicht unbedingt notwendig für deine Arbeit, wenn Du einen abgetrennten Raum als Tempel für die Göttin und ihren Gefährten hast.
Du kannst einen Schrein für die Siddhe in deinem Garten aufstellen, an einem sicheren und verborgenen Ort, wo Du ungestört meditieren kannst.
Doch auch dann solltest Du von Zeit zu Zeit die Sicherheit deines Gartens verlassen und jenes Tor öffnen, daß in die Wildnis führt, in der spirituellen ebenso wie in der materiellen Ebene.
Die geistige Ausrüstung für diese Expeditionen wirst Du selber im Laufe des vorliegenden Kurses entwickeln.
Die materielle Ausrüstung sollte wetterfeste Kleidung, Wanderschuhe und eine wetterfeste Campingausrüstung beinhalten.