Das Nixengeschmeide

Ich weiß nicht mehr so genau, ob es lange oder nicht so lange her ist, da sollte im Mömkeland eine große Hochzeit stattfinden.

Stephen, irischer Großneffe der Baronin Melian von Engel, hatte beim Wasserschmied um die Hand dessen Tochter, der Bella Binsenweiß angehalten, und jetzt sollte am nächsten Tag die Vermählung stattfinden.

Auf dem Jagdschloss derer von Engel saßen die Damen Melian und Moira, ihre Base aus Irland nach dem Frühstück im Rittersaal zusammen, um die letzten Vorbereitungen für das große Fest persönlich zu treffen.

Die hohen Fensterflügel waren geöffnet, um die Frühlingsluft und das Vogelgezwitscher herein zu lassen.

Im Augenblick hatten die beiden Damen die Köpfe zusammengesteckt. Sie waren dabei, etwas eingehend zu bewundern, das offenbar zwischen ihnen auf dem Tisch lag. Objekt der hochherrschaftlichen Aufmerksamkeit war das traditionelle Brautgeschmeide derer von Straeloch: ein Smaragdcollier, in dessen Mitte zwei Nixen das Familienwappen hielten, welches einen grünen Baum unter einem siebenstrahligen Stern abbildete. Nixen und Wappen waren kunstvolle Einlegearbeiten, deren winzige Edelsteine in allen Farben des Regenbogens glitzerten und schimmerten.

Gerade in diesem Augenblick wollte es ein missgünstiges Schicksal, dass Baldur Beutegut des Weges kam. Besser gesagt, kam Baldur nicht des Weges; vielmehr hockte er schon seit geraumer Zeit im rankenden Efeu auf der äußeren Fensterbank verborgen, um die beiden Fräuleins bei ihrem Gespräch zu belauschen. Baldur Beutegut war, wie der Name vermuten lässt, ein Dieb und noch dazu ein recht erfolgreicher. Er war einer der Unerdsken. Die Unerdsken gehören zu den Mömkes. Wie die anderen Mömkes sind auch die Unerdsken etwa drei Fuß hoch, und manche von ihnen leben im Inneren der grünen Hügel. Aber das ist auch schon alles, was sie mit den anderen Mömkes gemeinsam haben. Im Übrigen sind die Unerdsken ein Mömke-Clan, der wegen seiner diebischen und zänkischen Mitglieder von den anderen gemeinhin gemieden wird.

Da sich die Hochzeit auf dem Jagdschloss im ganzen Mömkeland herumgesprochen hatte,

war Baldur gewissermaßen als Vorhut und Kundschafter der Unerdsken gekommen, um heraus zu finden, ob es bei dem großen Fest nicht auch etwas für seinen Clan zu holen gebe.

Dabei hatte man eigentlich an leckere Schinken, geräucherte Fische und schöne gelbe fettige Käse, vielleicht auch an den ein oder anderen Krug voll Honig oder Met gedacht.

Aber dieses Geschmeide – als Baldurs Blick darauf fiel, hielt es ihn kaum in seinem Versteck. Auch wenn dies hier nur ein Kundschaftergang hatte sein sollen

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