Von Hamsadevi
Darstellerinnen & Darsteller - in der Reihenfolge ihres Auftretens-
Ganapati , der elefantenköpfige Gott als Erzähler
Shivananda, ein junger Hirte
Kalika , die "dunkle" Göttin
Parvati , Gemahlin von Shiva, Mutter der Wildnis
Tara , eine der "Matrikas" (= Urgöttinnen)
Shiva , der vorhinduistische Allgott, Herr der Bewusstheit & Befreiung
Dollarnanda, Anführer & Sprecher der "Lichtgemeinschaft der Universalen Weisheit"
Mammondas, Dollarnandas treuester Anhänger
Rhabarberraj, 2. Anführer & Tarinis Bräutigam
Tarini (=Leitstern) - Dollarnandas Tochter
"Brahmanistinnen & Brahmanisten", die Mitglieder der "Lichtgemeinschaft der Universalen Weisheit"
Gandarvas , Yoginis , Dakinis , Naginis
Szene I:
Ein freundliches Tal am Fuße des Himalaya; Wildnis, ein Baum, ein Schrein für die Göttin Kali
Ganapati: Gefährtinnen & Gefährten, lasset uns nun im großen Yantra von Shiva & Shakti teilhaben am Mysterium von Mahadevi. Hier unterhalb der schneebedeckten Höhe der in den Himmel ragenden Gipfel des Himalaya haben sich vor ungefähr 40 Jahren fromme Menschen niedergelassen, die sich selbst die "Lichtgemeinschaft der Universalen Wahrheit" nennen.
Christen und Buddhisten, Hindus, Theosophen und Heiden gründeten einst diese Gemeinschaft in Europa für jene, die nach absoluter Reinheit strebten und es sich leisten konnten, sich vom Lauf der Welt abzukehren ohne materiellen Verzicht dafür zu leiden. Die Gemeinschaft wandte sich dem Hinduismus zu, da diese Religion für sie die reine arische Weisheitslehre war, und damit würdig genug, um von ihnen beachtet zu werden.
Um sich von anderen Hindus abzuheben und die besondere Reinheit ihres Weges zu betonen, nennen sich die Mitglieder der Vereinigung "Brahmanisten". So kamen reiche Müßiggänger aus allen Himmelsrichtungen und Kontinenten, aus allen Religionen und Glaubensformen und ließen sich hier in diesem freundlichen, abgelegenen Tal mit ihren Familien nieder, um in der Abgeschiedenheit ungestört ihren frommen Gebetsübungen nachgehen zu können. Sie gaben sich neue Namen, redeten sich mit "Heiliger Swami " und "Fromme Ma" an und stellten ihre eigenen Gesetze auf. Im Spiel & bunten Treiben der Welt sahen die Mitglieder der Lichtgemeinschaft fortan nichts weiter als Versuchungen und Beschmutzung ihrer nach Höherem strebenden Seelen. Als "unrein" empfinden sie jene, die nicht ihrem frommen Pfade folgen; ekelhaft und verunreinigend erschien ihnen der Kontakt, ja allein schon der Anblick von Bettlern, Krüppeln und Kastenlosen.
2. Erz.:Besonders aber verabscheuten diese frommen Menschen die in der Wildnis meditierenden, oft besitzlosen Saddhus und ihre Gefährtinnen, die in wilden ekstatischen Riten Shiva und Shakti huldigen. Nur selten gerieten verirrte Pilger auf dem Weg zum Heiligen Berg Kailash in das Dorf der Brahmanisten. Und das war auch gut so, denn niemand von diesen ließ sich gern von gottgefälligen frommen Bußübungen abhalten, um einem hungrigen Pilger eine Schale Reis oder ein paar von den Früchten zu bringen, die am Flusslauf im Tal so prächtig und reichlich gediehen.
Ganapati: Doch nicht alle, die dieses Tal bewohnten, waren von solch unbarmherziger Frömmigkeit. Am Rande des Dorfes lebte ein junger Hirte, der die Schafe & Ziegen des Dorfes hütete und der nicht zur "Lichtgemeinschaft der Universalen Wahrheit" gehörte. Sie nannten ihn "Pashu"; das heißt "Tier" und ist ein Wort, das einst die hellhäutigen plündernden Horden aus dem Norden den kleineren, dunkelhäutigen Ureinwohnern des Landes gaben, bevor sie diese fast ausrotteten... Der Junge hieß Shivananda; er wohnte in der Regenzeit in einer winzigen Hütte außerhalb des Dorfes. In der übrigen Zeit melkte er die Ziegen des Dorfes, verarbeitete ihre Milch zu Käse und Butter und beschützte die Herde Tag & Nacht vor Tigern & anderen Raubtieren.
Oft bestellte er zusätzlich noch die Felder der Dorfbewohner, wenn diese es wieder einmal vorzogen, mit tagelangen Singen von Mantras ihre eigene Frömmigkeit vor Gottheiten und Menschen unter Beweis zu stellen. Niemals bekam er dafür irgendeinen Lohn außer der Versicherung, dass er durch seine Arbeit die Chance habe, wenigstens ein bisschen gutes Karma anzuhäufen.
Shivananda war trotz seiner Armut immer guter Dinge. Er teilte das Wenige, das er hatte, mit den seltenen Pilgernden - im Gegensatz zu den Mitgliedern der Lichtgemeinschaft. Denn die hatten in ihrer Selbstgefälligkeit beschlossen, solchen Pilgern nur die fast ungenießbaren Reste zu geben, damit die Buße für diese armen Pilgernden auch streng genug sei.
SzeneII
Shivananda am Kali-Schrein.
Shivananda: Ich verstehe nicht, wozu all die frommen Übungen gut sein sollen; die Dorfbewohner machen keinen wirklich glücklichen Eindruck - sonst wären sie doch freundlicher! Dollarnanda , der Führer der Gemeinschaft scheint es auch nicht wirklich zu wissen. Als ich ihn kürzlich fragte, hat er ihm geantwortet, dass mein Karma leider viel zu schlecht und ich somit noch nicht so weit sei, um in den Besitz der Universalen Weisheit zu kommen, welche die Lichtgemeinschaft ihr eigen nannte. Ich weiß gar nicht, ob ich diesen Besitz mit ihnen teilen möchte.
Shivananda lässt sich zum Beten am Schrein von Kali nieder.
Shivananda: Om Devi! Om Mahashakti! Große Mutter! Zerstörerin der Ängste! Zerstörerin der Zweifel! Zerstörerin der äußeren und inneren Hindernisse! Befreierin! Schenke mir Weisheit, Einsicht und Mitgefühl für alle Lebewesen! Darum bitte ich Dich! Hilf Mutter!
Shivananda versinkt Kali-Mantra chantend in Meditation; dreht dabei seine Mahla.
Ganapati: Und die Große Kali hörte die Gebete des jungen Hirten & sie sah ihn in seiner spirituellen Verzweiflung & sie schaute in sein Herz; und sie sah dort die Liebe und die Sehnsucht und das Mitgefühl wohnen, und einen starken Willen, die Gabe Shivas.
Shivananda beendet sein Gebet und entfernt sich.
Kalika erhebt sich aus ihrem Schrein.
Kalika: Wahre Liebe wohnt im Herzen dieses Jungen! Mut & Demut; Tapferkeit & Mitgefühl finde ich vereint in diesem jungen Hirten! Ich sehe sein Wahres Wesen! Er ist ein Vira - ein Krieger von Shambhala - ein Held! Ich werde ihm helfen! Weder um weltlichen Reichtum hat er mich gebeten noch um Macht oder Würden - nur um Einsicht, die er doch tief in seinem Herzen schon hat!
Ich will ihn reich beschenken & diesen selbstgefälligen Brahmanisten eine Lehre erteilen! Denn bin ich nicht die Große Zerstörerin? Und habe ich nicht siegreich andere Dämonen der Verwirrung überwunden?!? Diese aufgesetzte Frömmigkeit, diese so völlig unechte Hingabe, diese unüberbietbare spirituelle Eitelkeit - das ist wahrhaft die schlimmste Form der Verwirrung.
Das alles wäre ja nicht weiter schlimm - wenn sie nicht auch noch versuchen würden, andere Seelen mit in ihre selbsterschaffenen Höllen herab zu reißen! Hätte ich nicht sogar in diesem Dorf eine heranwachsende junge Blume entdeckt, deren Seele an Schönheit und Liebe der von Shivananda gleicht, auch wenn sie im Verborgenen und an höchst unerwarteter Stelle blüht - ich hätte diese ganze Lichtbagage schon längst in alle Winde zerstreut! Ich glaube ich tue das auch - trotzdem! Doch will ich mich zuerst mit meinen Schwestern beraten, der freundlichen Parvati und der weisen Tara!
Kali macht sich auf den Weg zum Garten von Shambhala. SzeneIII Garten von Shambhala;
Berg Kailash im Hintergrund Parvati & Tara lustwandeln im Garten. Auftritt Kali.
Parvati: Namaste , Schwester, lange haben wir dich in unserem Paradiesgarten nicht mehr gesehen!
Tara: Namaste, Schwester, Wie schön, dass dein Weg dich hierher führt. Gibt es einen Grund?
Kali: Namaste, Schwestern! Wahrhaftig gibt es einen guten Grund für mich, hierher zu kommen. Ich möchte euch um euren Rat und eure Hilfe bitten.
Parvati: Um unsere Hilfe? In welcher Angelegenheit denn?
Tara: Könnte es sein, dass es sich um diese "Lichtgemeinschaft" da unten handelt?
Kali: Wahrhaftig, Schwester! Doch woher weißt du?
Tara: Auch zu mir dringen die Gebete und die Klagen all der Pilgernden. So kenne ich dieses Dorf der Hartherzigen; und deine & meine Kinder werden dort nun wirklich besonders schlecht behandelt.
Parvati (ungläubig & entrüstet): Was???!
Kali: Oh, das hat Tara noch sehr freundlich gesagt! Diese "Brahmanisten" sind so unendlich fromm, und dabei ist jeder einzelne von ihnen herzloser und kälter als alle Dämonen, die ich je besiegt habe, zusammen! Oh Parvati! Wenn ich dir ihren Hass, ihre Verachtung, ihre Überheblichkeit beschreiben soll, die sie gegen alles richten, was ihnen fremd erscheint, was nicht zu ihnen gehört und nicht ihren Weg geht oder auch nur anders aussieht als sie - allein durch die Glut meiner aufsteigenden Kampfeswut könnte ich den ganzen Kosmos entzünden!
Parvati: Oh weh! Dann lass es lieber! Soll Tara weiter berichten.
Tara: Kali hat recht. Durch fleißige Askese haben einige Mitglieder dieser Lichtgemeinschaft so große geistige Kräfte entwickelt, dass sie sogar andere von deren spirituellen Weg in die Irre leiten können. Nicht umsonst schützen wir Gottheiten den Pilgernden nach Möglichkeit davor, sich in das Dorf zu verirren. Denn leider haben die Mitglieder der "Lichtgemeinschaft der Universalen Wahrheit" wie sie sich selber in ihrer Anmaßung nennen, bei dem vergeblichen Versuch, das Feuer des Verlangens zu löschen, vielmehr ihren eigenen Seelenfunken ausgelöscht!
Parvati: Das kann doch wohl nicht wahr sein?!
Tara: Oh doch - traurig aber wahr. Denn ist nicht in diesem göttlichen Seelenfunken, den jeder einzelne dieser Menschlinge von uns bekommt, sein wahres Wesen erhalten - göttlich, voller Liebe, reine Freude, kosmisch!?
Parvati: Das ist zwar alles nicht schön. Aber in den Zyklen der Weltzeitalter & sehr Verwandlungen ihrer Seelen in einer Reise durch sicherlich noch sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viele Wiedergeburten werden auch diese Seelen wieder auf ihren Weg finden.
Kali, wütend, will etwas sagen; Tara signalisiert ihr, sich zu beruhigen & kommt ihr zuvor.
Tara: Liebe Schwester! Ich würde dir zustimmen, denn jedes Wesen muss seinen eigenen Zyklus finden, in dem es sich entwickelt. Aber hier liegt die Sache ein kleines bisschen anders, wenn wir bedenken, wie diese Lichtgemeinschaft mit anderen Suchenden umgeht und sie sogar durch die Macht ihrer durch Askese angesammelten dunklen Kräfte mit Verwirrung und Leid schlägt.
Kali: Richtig!!! Ich hätte gar nicht hierher kommen sollen! Ich werde meine reinigenden Feuer senden und von diesem Kaff bleibt nur noch ein Häufchen Asche übrig. So werden die Seelen befreit und haben eine neue Chance in einer neuen Runde im Lauf der Inkarnationen.
Kali setzt zu ihrem Tanz der Zerstörung an.
Parvati & Tara: Halt! Halt! Halt!
Sie versuchen die erboste Kali festzuhalten. Lärm, Gezeter, Gerangel.
Shiva erscheint, verärgert.
Shiva (ärgerlich): Was ist denn hier los?
Die drei Göttinnen hören auf zu streiten. Parvati schaut betroffen, Tara abwartend.
Kali: Gut, dass du da bist! Diese beiden hier (deutend auf Parvati & Tara) wollen mich davon abhalten, ein paar wirklich fiesen Dämonen den Garaus zu machen.
Shiva (streng): Welche Dämonen?
Kali: Dummheit, spirituelle Eitelkeit, Gier, Kälte, Fremdenhass.
Shiva: Hört sich eher nach selbsternannten Heiligen an. Fundamentalisten eben, Lichtarbeiter! (lacht spöttisch und macht eine entsprechende Geste) So ist es doch schon immer mit solchen Typen gewesen. Was also macht dich so wütend?
Kali: Kennst Du die "Lichtgemeinschaft der Universalen Wahrheit"?
Shiva: ????
Parvati (erklärend): Du weißt doch - als er sich vor 3000 Jahren zur Meditation auf seinen geliebten Kailash-Gipfel zurückzog, gab es die noch nicht - auch wenn sie jetzt etwas anderes behaupten. Kali: Dann solltest du vielleicht einmal einen Blick auf das Dorf werfen.
Shiva: Wenn ihr drei euch so streitet, dann muss es wohl wichtig sein. Na gut - schon damit ich weiter in Ruhe meditieren kann. Als pilgernder Saddhu werde ich das Dorf besuchen.
Shiva macht sich auf den Weg zum Dorf. Er chantet Mantras & klappert mit seiner Trommel .
Szene IV
Dorfplatz
Mammondas, Rhababerraj und weitere Mitglieder der Lichtgemeinschaft betrachten den Saddhu.
Mammondas: Wie schmutzig! Wie ekelhaft!
Rhababerraj: Er stinkt!
Mammondas: Er stinkt? Es stinkt!!!
Alle lachen & verhöhnen den Saddhu
Mammondas: Geben wir ihm ein bisschen zu essen, dann wird er schon verschwinden und nicht länger die Aura unseres Dorfes mit seinem Gestank und dem Gequake seiner Mantras verunreinigen.
Ein Gemeindemitglied holt etwas Grünliches-Schmieriges aus einem Gefäß, das offensichtlich ein Hundenapf ist und wirft es dem Saddhu hämisch lachend in die Schale.
Gemeindemitglied: Das hat gestern schon der Hund stehen gelassen.
Sofort danach reinigt er seine Hände, assistiert von anderen Gemeindemitgliedern. Alle lachen.
Mammondas: Macht nichts! Diese ungewaschenen Saddhus sollen ja die erstaunliche Fähigkeit haben, Gifte in reinen göttlichen Nektar zu verwandeln. Guten Appetit, viel Glück!
Alle lachen. Glocke
Rhababerraj: Oh horcht, wir kommen zu spät zur Andacht. Swami Dollarnanda wird heute die Puja leiten.
Die Mitglieder der Lichtgemeinde verlassen den Dorfplatz.
Shivananda nähert sich ehrfurchtsvoll dem Saddhu.
Er reicht ihm eine Schale mit Früchten.
Shivananda: Ich bitte demütig um deinen Segen, Heiliger Mann.
Shiva, sieht ihn durchdringend an: Wieso gehst du nicht mit den anderen zur frommen Andacht?
Shivananda: Ich darf dort nicht teilnehmen, denn ich bin einer, den sie "Pashu" nennen. Ich lebe mit den Tieren vor dem Dorf und sie gestatten mir, ihre Ziegen und Schafe zu hüten.
Shiva: Nenne mir deinen Namen!
Shivananda: Meine Mutter gab mir den Namen Shivananda, denn sie gebar mich am Fuße des Kailash auf einer Pilgerreise. Ihre Familie verstieß sie, und wir fanden hier einen Ort, wo wir leben konnten.
Shiva: Sonst scheinen diese Leute Fremde nicht gerade mit offenen Armen aufzunehmen.
Shivananda: Wir hatten Glück: der alte Ziegenhirte war vom Tiger zerrissen worden. Es war der fünfte in einem Jahr, und niemand wollte das Amt, aber die Gemeindemitglieder brauchen die Wolle der Schafe und die Milch und Butter der Ziegen. So übernahm meine Mutter das Amt, und sie webte einen Zauber, den ihr einst ein mächtiger Ghandarva gelehrt haben musste, und der Tiger kam niemals wieder, um die Herden des Dorfes heimzusuchen. Die Gemeinde gewöhnte sich an uns. Nachdem meine Mutter ins Land der freundlichen Geister gegangen ist, habe ich diese Aufgabe übernommen. Solange ich nur in das Dorf gehe, wenn unausweichliche Ereignisse mich dorthin führen, gibt es keine Probleme.
Doch, Heiliger Mann, ich habe hier im Dorf alles Notwendige erledigt. Jeden Moment werden sie ihre Puja beendet haben, und sie werden nicht begeistert sein, wenn sie dich und mich dann noch hier sehen. So bitte ich dich, nimm meine Einladung an und nimm Platz an meinem Feuer draußen bei den Herden. Ich würde gern mein bescheidenes Nachtmahl mit dir teilen.
Shiva: Das ist ein Wort! An diesem ungastlichen Ort habe ich ohnehin nichts mehr verloren!
Er spuckt aus. Shiva & Shivananda verlassen das Dorf.
Szene V
Kulisse wie Szene I - Baum in der Wildnis, Kali-Schrein nahe dabei.
Shiva & Shivananda lassen sich unter dem Baum nieder. Shivananda holt ein Tuch hervor, in das einige Djapatis, etwas Obst und eine Flasche mit Wasser gewickelt sind. Er breitet das Tuch unter dem Baum aus und verteilt Obst und Gebäck darauf . Mit einer Geste (Mudra des Opferns) bietet er Shiva das Essen an. Beide essen ein wenig.
Shiva: Ich danke dir, Shivananda. Sag, vielleicht kann ich dir auch einen Wunsch erfüllen?
Shivananda verbeugt sich: Meister, bitte belehre mich über die Natur des Kosmos, das Wesen der Gottheit, den Weg der Erkenntnis und der Verwirklichung des Wahren Willens!
Shiva, lachend: So suchst du Zutritt zur Familie der Dreifachen Göttin? Aber wie kommst du darauf, dass ich dir diesen geben kann?
Shivananda: Du trägst die Zeichen der Sampradaya auf deiner Stirn & nach meinen Bitten um Belehrungen am Schrein der Göttin erschien mir Mutter Kalika in einem nächtlichen Traum, und sie sagte mir, dass ich in das Dorf gehen sollte.
Shiva: Nun ja, sehr interessant. Er wirft einen ärgerlich-amüsierten Blick zum Kali-Schrein, in dem die Göttin sitzt.
Shiva: Doch bin ich wie alle Nathas meiner Linie auch ein Magier. So sprich, gibt es nicht noch etwas, das du dir wünscht?
Shivananda überlegt angestrengt.
Shiva, ermutigend: Vielleicht für das Dorf, einen kleinen Scherz? Ich hätte da schon noch ein Hühnchen zu rupfen!
Shivananda: Eigentlich nicht. Ich bin zwar ein unerfahrener Schüler, doch wage ich dennoch zu bezweifeln, dass es eine Zauber gibt, der dieser Gemeinde hilft, die Herzenswärme wieder zu finden und Mitgefühl zu entwickeln. (traurig) Sie sind so beschäftigt damit, den Gottheiten zu gefallen - ein jeder noch mehr als der andere! (seufzt)
Auftritt Tarini, die am Dorfrand lustwandelnd mit tänzerischen Bewegungen erscheint. Shivananda starrt verzückt und gedankenverloren in ihre Richtung.
Shiva, lachend: Eine niedliche Yogini!
Shivananda, verlegen, ertappt: Was???
Shiva, amüsiert, deutet in Richtung von Tarini: Sie gefällt dir. Und du gefällst ihr!
Shivananda: Ihr Vater ist der Führer der Lichtgemeinschaft.
Shiva, lachend: Ein Grund mehr, dass aus euch ein Paar wird! Shivananda. Niemals würde ihr Vater, ihre Familie, die Gemeinde das zulassen!
Shiva: Aber sie liebt dich! Sie hat ihre Liebe in einem Winkel ihres Herzens verborgen. Tarini opfert heimlich Blumen am Schrein von Kali. Dabei fürchtet sie die Dunkle Mutter sogar ein bisschen. Aber jedes Mal überwindet sie ihre Ängste und betet, dass die Göttin der Großen Veränderung ein Wunder geschehen lasse, damit aus euch ein Paar werden kann. In ihrer Gemeinde ist die Dunkle Mutter verhasst, denn sie sehen nur ihr äußeres Antlitz. Doch weiß sie, wie hingegeben du zur Mahakali betest, und so hofft auch sie auf ihren Beistand.
Shivananda: Woher weißt du das alles?
Shiva, etwas ertappt: Ich bin eben ein guter Seher!
Shivananda: Trotzdem - wir müssten beide sterben!
Shiva, beschwichtigend: Na, na, na!
Shivananda: Ich wundere mich sowieso, was Tarini hier macht. Heute Abend versammelt sich die Gemeinde zu einem großen Bankett auf dem Dorfplatz, wo bekannt gegeben werden soll, wen Tarini heiraten wird.
Shiva: Und wieso bist du dann noch hier?
Shivananda: Versteh doch! Ich habe weder hohe Geburt noch Vermögen vorzuweisen. Ich kenne meinen Vater nicht einmal! Und in dieser Gemeinde ist es üblich einen Brautwerber zu schicken; und der muss bezahlt werden; und Tarinis Vater hat einen Brautpreis gesetzt; und nichts von alle dem könnte ich bezahlen! Ich kann Tarini nichts als meine Liebe geben! Ich würde zuerst verspottet und dann mit Schimpf und Schande auf immer verjagt!
Er seufzt traurig.
In diesem Augenblick erscheint Kali. Sie kommt aus ihrem Schrein gesprungen. Donnerknall. Shivananda sinkt in Ohnmacht.
Kali zu Shiva, den ohnmächtigen Shivananda ignorierend: Da hast du ´s! Jetzt konntest du dich überzeugen, wie es um diese "Lichtgemeinschaft der Universalen Weisheit" bestellt ist!
Tara & Parvati erscheinen und deuten auf den ohnmächtigen Shivananda.
Parvati, zu Kali, vorwurfsvoll: Jetzt sieh dir das an! Ging es nicht etwas weniger spektakulär?
Kali, murmelnd: War der kürzeste Weg!
Shiva, spielt mit seiner Mahla , nachdenklich, murmelnd: Brautwerber, Hochzeit, Vermögen - Da muss doch irgendwas zu machen sein!
Shiva, plötzlich lebhaft: Ich werde der Brautwerber sein! Und ich werde ein würdiges Gefolge haben!
Kali hat sich derweil bei Shivananda niedergelassen und stupst ihn von Zeit zu Zeit mit dem Finger.
Shiva: Ich rufe euch, ihr Ghandarvas, Geister der Wildnis! Ich rufe euch, ihr Nagas und Naginis! Kommt zu mir, bringt aus den tiefen Felsenhöhlen glitzernde Edelsteine und schimmerndes Gold aus den Flussbetten! Bringt Freude und Ekstase! Kommt zu mir und begleitet mich! Lasst uns eine Prozession der glücklichen Geister zum Dorfplatz der "Brahmanisten" machen!
Die Geister versammeln sich und bringen Gaben mit. Alle Geister machen sich auf den Weg zum Dorf, Shiva an der Spitze.
Tara und Parvati: Nein Shiva!
Tara zu Kali, die noch immer bei Shivananda sitzt: Lass ihn besser noch etwas schlafen!
Tara, deutet zu Shiva, bei dem sich immer mehr Geister versammeln: Der Zug der Brautwerbung.
Parvati: Ich ahne nichts Gutes! Kommt Schwester, lasst uns lieber auch zum Dorf gehen!
Die Göttinnen gehen zum Dorf.
SzeneVI
Auf dem Dorfplatz; eine geschmückte und gedeckte Tafel, an der sich die Mitglieder der Lichtgemeinschaft versammelt haben.
Tarini sitzt geschmückt am Kopf der Tafel. Sie sieht unglücklich und verweint aus; neben ihr Dollarnanda und Rhababerraj. Weitere Gemeindemitglieder sitzen an der Tafel verteilt.
Dollarnanda erhebt sich: Liebe Gemeindemitglieder! Heute heiße ich euch willkommen zum großen Fest der Verlobung meiner wunderschönen Tochter Tarini mit dem ehrenvollen Swami Mammondas, den die Götter und Menschen lieben und der sich in so vielfältiger Weise um unsere Lichtgemeinde verdient gemacht hat.
Alle applaudieren dezent und fromm.
Mammondas erhebt sich leicht & neigt würdevoll das Haupt, dankend den Applaus entgegen nehmend.
Tarini wirft ihm einen angewiderten Blick zu.
Shiva & Gefolge betreten lärmend die Szene.
Shiva, ausgelassen, fröhlich: Seid gegrüßt, all ihr Leute! Was für ein wundervolles Willkommensfest für uns!
Dollarnanda: Gewiss nicht für euch! Geht! Sofort! Ihr seid nicht willkommen!
Shiva: Dabei komme ich als Brautwerber für den euch allen bekannten verdienstvollen Shivananda!
Tarini schaut auf.
Dollarnanda, lacht spöttisch; ironisch: Was für eine große Ehre! Sicher hat er euch auch einen entsprechenden Brautpreis mitgegeben!?
Shiva: Der menschliche Körper ist das Gefäß des Lebens, der Freude, des Begehrens, der Sinnlichkeit, des göttlichen Funkens, des Wahren Willens. Deshalb sollte niemand Handel damit treiben. Ich habe Geschenke für die Braut und ihre Eltern mitgebracht.
Dollarnanda: Flöhe und Läuse? Kuhdung, Ziegenkot und Gestank?
Alle lachen.
Shiva gibt seinen Begleiterinnen & Begleitern ein Zeichen. Ein wild aussehender Naga tritt vor und wirft Dollarnanda Massen von Edelsteinen vor die Füße. Eine ebenso wild aussehende Nagini tut dasselbe mit Massen von Schmuck, Gefäßen und Münzen aus Edelmetallen. Erstaunte Ausrufe der Brahmanisten.
Dollarnanda: Diebesgut!
Mammondas: Schwarze Magie - dann dürfen, eh, müssen wir es behalten, beschlagnahmen!
Shiva: Weder das eine noch das andere, aber ihr könnt es trotzdem behalten!
Dollarnanda, Mammondas und Rhababeraj raffen eiligst die Schätze zusammen.
Shiva:...dafür nehme ich Tarini mit, natürlich nur, wenn sie es will!
Tarini will sich erheben: Gern gehe ich mit euch, weiser Mann, zu Shivananda, der schon lange in meinem Herzen wohnt!
Dollarnanda gibt ihr eine Ohrfeige und herrscht sie an: Hinsetzen, Unwürdige! Niemand hat dir erlaubt zu gehen, und schon gar nicht diesem namenlosen Lumpenguru und einem in Schande geborenen Schafhirten, für dessen Undankbarkeit und Anmaßung es nur eine Antwort gibt: Verbannung!
Und ihr (er weist auf Shiva & Co) verlasst diesen heiligen Ort - sofort! Den Schatz behalten wir natürlich als Wiedergutmachung für die Beleidigung, die uns hier gerade wiederfahren ist!
Tara: Beten und andere ausbeuten - das ist eure spirituelle Praxis! Es wird ein böses Ende mit euch nehmen, wenn ihr euch nicht sehr bald besinnt!
Tarini erhebt sich: Euch haben die freundlichen Gottheiten gesandt! Mutter Kalika hat meine Gebete erhört! Ich komme mit euch - egal, wohin ihr mich führt, wenn nur Shivananda auch dort ist! Die Liebenden sind auch in der Wildnis beschützt!
Dollarnanda zu Shiva: Geh, unser aller Geduld hier ist erschöpft.
Dollarnanda zu Tarini: Und du bleibst hier!
Dollarnanda zu Shiva: Verschwinde und nimm dieses Lumpengesindel mit! Vergiss nur deine drei Königinnen der Schenken nicht! (Er macht eine Kopfbewegung in Richtung der drei Göttinnen.)
Shiva: Das reicht jetzt! Fordere dein Schicksal nicht noch mehr heraus!
Dollarnanda zu Shiva: Du wagst es, mir zu drohen?! In den Staub!
Dollarnanda zu Gemeinde: Packt diese Abtrünnigen! Bindet sie und stürzt sie in den Abgrund!
Brahmanisten stürzen sich auf Shiva & Gefolge. Im Augenblick der Berührung fliegen sie wie vom Blitz getroffen in alle Richtungen. Einige rappeln sich mühsam wieder auf; einige bleiben am Boden, vorsichtig, abwartend, überrascht, ängstlich. Niemand wagt mehr, die Schar anzugreifen. Allgemeine Betroffenheit.
Shiva: Sei verflucht, Dollarnanda, seid verflucht ihr Brahmanisten, verflucht, verflucht, verflucht sei dieses ganze Dorf mit allem was darinnen ist! Die Überlieferungen, die Heiligen Texte selbst sind für euch nur eine Legitimation für eure Eitelkeit, eure Selbstgefälligkeit und eure Bösartigkeit! Ihr verachtet die wahrhaft Suchenden; ihr tretet die Gebote des Mitgefühls und der Pilgerschaft mit Füßen. Ihr wähnt euch mit den Göttern auf Du und Du - und ihr erkennt sie nicht, wenn sie vor euch stehen. Denn sie erscheinen vielleicht anders als ihr es von ihnen erwartet und für angemessen haltet!
Würden nicht andere unter eurer Grausamkeit leiden - ihr wäret lächerlich mit eurem Zirkus der Scheinheiligkeit! So aber sollt ihr alles verlieren, weil ihr nichts teilt! Ihr sollt erfahren, was es bedeutet fremd zu sein, verstoßen zu sein, hungrig und durstig zu sein und im Leid noch Spott statt Brot zu bekommen! Ihr verachtet alle, die anders sind als ihr - so sollt ihr selbst Verachtung kennen lernen!
Ihr betrachtet die Naturwesen als böse Geister; so sollen sie mit mir kommen und ihre wahren Schätze mitnehmen: Fruchtbarkeit und Nahrung. Die Liebe und die Freude, Gaben der Göttinnen, die ihr missachtet, sollen von euch genommen sein bis ihr wieder lernt, sie zu schätzen oder allesamt untergeht!
Vorhang
Ganapati: Die Göttinnen, Shiva und die Ghandarvas hüllten sich in eine Wolke. Shivananda und Tarini nahmen sie mit sich nach Shambhala, wo die beiden eine wunderschöne Hochzeit feierten, zu der alle Gottheiten und Ghandarvas eingeladen waren und reiche Gaben mitbrachten für das junge Paar. So vergingen sieben Jahre der menschlichen Zeitrechnung in Shambhala wie eine Woche, während der in fröhlicher Runde gefeiert wurde und alle sich vergnügten.
Die Lichtgemeinde der Brahmanisten aber lebte zunächst weiter als sei nichts gewesen. Es fand sich ein neuer Ziegenhirte. Doch nach kurzer Zeit waren er und die gesamte Herde Opfer der Wilden Tiere geworden. Nicht nur Pilgernde, sogar der Monsunregen schien das Dorf nun zu meiden; der Fluss wurde zu einem dürftigen Bachlauf; die Quelle, welche den Dorfbrunnen speiste, versandete immer mehr.
Der Schatz, den der Saddhu gebracht hatte, war spurlos verschwunden. Die Dorfbewohner hatten einander des Diebstahls bezichtigt, und zu aller Not erfüllte nun auch Zwietracht und Misstrauen, beides Gefährten der Verwirrung, das Dorf. Die Brahmanisten meinten zunächst noch, sie könnten mit vielen Pujas und Reinigungszeremonien das Unheil von ihrem Dorf wenden; doch schienen die Gottheiten taube Ohren für ihre Gebete zu haben.
Die einst gedeihenden Obst- und Gemüsegärten der Gemeinde brachten nur noch kümmerliche Erträge; und so beschloss man schweren Herzens anderweitig nach Hilfe zu suchen. Eine hohe Belohnung war ausgesetzt für denjenigen, der das Dorf von dem Fluch des Saddhus erlösen könnte. Boten wurden in alle Richtungen gesandt, um die hohen Rishis und Brahmanen zu informieren. Doch niemand von diesen wollte den Brahmanisten helfen, denn die Mitglieder der Lichtgemeinschaft selbst hatten schon zu oft anderen jegliche Hilfe verweigert. Auch hatte sich die Geschichte von der Verfluchung des Dorfes geheimnisvoll überall verbreitet, und kein Rishi und kein Brahmane wollte in die Nähe der "Verfluchten" kommen und sich beschmutzen mit ihrem Unglück. So fühlten sich jene, die sich den Gottheiten nahe und ebenbürtig empfunden hatten, nun von allen Gottheiten und Menschen verlassen, und Hilflosigkeit und Verzweiflung breiteten sich aus.
Zum ersten Mal beteten die Brahmanisten mit dem Herzen statt allein mit den Lippen und sie flehten um Hilfe. Seht, was weiter passierte.
Szene VII
Die Brahmanisten in schmutzigen, zerlumpten Roben sitzen auf dem Dorfplatz.
Dollarnanda: Was sollen wir nur tun? Wir haben alles verloren. Wie konnte dieser Saddhu uns das nur antun?
Rhababerraj: Hätten wir ihn nur nicht so gereizt! Aber wer hätte denn ahnen können, dass er...
Mammondas zum Horizont deutend: Seht, da nähert sich jemand dem Dorf!
Dollarnanda, legt die Hand über die Augen: Eine alte Frau, eine Bettlerin. Das hat uns gerade noch gefehlt, wo wir selbst kaum etwas haben! Lasst den Hund los!
Rhababerraj: Wir werden nichts dergleichen tun! Geehrter Dollarnanda, du bist zwar unser Meister, doch war es deine Lehre, die besagt, dass die Besitzlosen, die Kastenlosen, und alle Armen und Kranken von den Göttern gestraft sind und deshalb auch nicht unser Mitgefühl verdienen.
Wer Fremdes mit Interesse betrachtet und neuen Ideen die Tür öffnet, der macht sich schuldig gegen die göttlich beschlossene Ordnung. Wer unterschiedslos ohne die Frage nach Hautfarbe oder Herkunft allen Wesen Freundlichkeit entgegenbringt, der droht, eben diese göttliche Ordnung gar durcheinander zu bringen. Das war deine Lehre.
Und wohin hat sie uns geführt? Diese arme alte Frau hat uns nichts getan! Wenn sie hierher kommt, werde ich ihr etwas von meinem Dhal anbieten.
Mammondas: Und wenn sie auch solche Hexenkräfte hat wie der Saddhu?
Rhababerraj: Ein Grund mehr, sie freundlich zu stimmen!
Dollarnanda: Ich werde mich zum Gebet zurückziehen!
Alte Frau nähert sich mühsam und hinkend den beiden Brahmanisten, die auf dem Dorfplatz sitzen.
Rhababerraj: Namaste, Ambé ! Du scheinst eine lange Reise hinter dir zu haben. Sicher hast du Hunger. Wir haben selbst nicht viel. Mein Dhal ist voller Sand. Aber etwas anderes kann ich dir leider nicht anbieten.
Alte Frau: Ist dies hier nicht das Dorf der Lichtgemeinde der universalen Weisheit? Ich hörte, dies wäre eine prächtig gedeihende Brahmanisten-Gemeinde.
Mammondas: Das war einmal. Hast du denn nichts von dem Fluch gehört?
Alte Frau: Ein Fluch?
Rhababerraj: Ein Saddhu hat dies Dorf verflucht, als...
Mammondas: Ein Saddhu? Ein böser Geist war er, ein Dämon, ein Ungeist, er und sein Gelichter.
Rhababerraj: Sei still! Wir haben ihn unfreundlich behandelt. Nicht nur ihn allein. Auch wenn du jetzt sofort zu Dollarnanda läufst und es ihm sagst: ich sage. Es war falsch, wie wir gehandelt haben. Es war falsch, nur unsere Lehre und unsere Vervollkommnung durch Gebet im Kopf zu haben!
Zu der alten Frau: Verzeih, Mütterchen. Aber wir alle hier sind ein bisschen gereizt. Du scheinst von recht weit her zu kommen. Sag, hast du nicht vielleicht von irgendeinem zauberkundigen Weisen gehört, mächtig genug, den Fluch von unserem Dorf zu nehmen?
Alte Frau: Das kann nur der, der ihn aussprach!
Mammondas: Woher willst du das wissen?
Alte Frau: Glaub mir, oder lass es!
Rhababerraj: Du bist eine Seherin?
Alte Frau: Ich bin manches!
Rhababerraj: Doch weißt du auch, wie wir den Saddhu finden können?
Mammondas: Rhababerraj! Hat dir der Hunger den Verstand verwirrt?
Alte Frau: Er findet, die er finden will, wenn jene ihn finden, die ihn suchen. (Sie kichert leicht irre, erfreut über ihren eigenen Scherz.)
Mammondas: Sie redet irre. Hör nicht auf sie!
Rhababerraj: Lieber höre ich auf diese alte Frau, die vielleicht ein Orakel der Gottheit ist als auf Dollarnandas Lehren, durch die wir alle in die Irre geführt wurden.
Dollarnananda kommt hinzu; geht aggressiv auf die alte Frau zu: Was höre ich da? Nützt die Lage aus, um meine Jünger zum Aufstand anzustacheln!
Rhababerraj: Dollarnanda ist verrückt geworden!
Alte Frau: Nein - er ist nur gezwungen, sein derzeitiges Wesen zu offenbaren!
Mammondas: Hexe!
Die alte Frau beachtet Dollarnanda & Mammondas zunächst gar nicht. Sie füllt ein Gefäß mit Wasser und murmelt Mantras darüber. Dann bannt sie Dollarnanda mit einer Geste mitten in der Bewegung. Er steht wie angewurzelt und kann sich nicht mehr rühren. Mammondas wagt nicht einzugreifen.
Die alte Frau reicht Mammondas die Schale mit Wasser: Leere deinen Geist und sieh hinein! Schau mit dem Auge des Herzens!
Mammondas nimmt verwirrt die Schale entgegen und sieht hinein: Ich sehe einen goldenen Fisch im Ganges. Er wird gefressen von einem großen weißen Fisch. Ich spüre die Angst. Ich bin der goldene Fisch. Ich sehe einen Tiger, der eine Antilope reißt. Ich schmecke das Blut; ich bin der Tiger. Ich sehe einen König auf einem goldenen Thron. Meine Untertanen fürchten mich, und Angst vor dem hinterrücks geführten Dolch des Tyrannenmörders nagt an meinem Herzen. Mein Herz bleibt stehen, und ich stürze in eine unendliche Tiefe. Ich sehe ein schmutziges Kind; ich bin dieses Kind; ich wachse heran. Mein Arm schmerzt. Er wächst nicht mit. Ich bin ein Bettler in den Straßen von Kalkutta. Ich werde mit Gaben bedacht und getreten. Ich schlafe an einem Fluss ein.
Mammondas wendet seinen Blick von der Schale ab und stellt sie dann weg.
Mammondas: Mein Kopf, er scheint zu zerplatzen von all den Bildern! Aber ich beginne zu verstehen! Jede Seele hat ihren eigenen Entwicklungsweg, und der materielle Reichtum eines Menschen ist weder ein Zeichen der Gunst der Götter noch der spirituellen Vollkommenheit. Und auch die Besitzlosigkeit allein ist keine Gewähr für die Erkenntnis! Oh, wie arrogant und selbstgefällig wir alle doch waren! Dollarnanda allein trifft nicht einmal die Schuld. Denn waren wir es nicht, die ihm zugejubelt haben, wenn er uns erzählte, wie überlegen wir all den anderen wären?
Rhababerraj, misstrauisch, zu der alten Frau: Was hast du mit ihm gemacht?
Alte Frau zuckt die Schultern: Gar nichts! Ich gebe nur die Möglichkeiten...
Mammondas, fällt nieder: Ich danke der Mahadevi für ihre Belehrungen! Ich erkenne dich; du bist Mahakali, die Herrin der Zeit; du kennst weder Kaste noch Grenze! Verzeih mir all meine Dummheit und nimm mich an als deinen Sohn.
Kali wirft ihren Umhang ab und lacht.
Rhababerraj wirft sich ebenfalls nieder: Große Mutter, wir haben deinen Schrein vernachlässigt, und wir sind gestraft worden, oh Große Herrin der Geister, verschone uns von deinem Tanz der Zerstörung! Hab Mitgefühl mit uns, die wir im Staub vor dir liegen.
Kali (auf Dollarnanda deutend): Seid froh, dass ihr mehr verstanden habt als der da. Mein lieber Sohn Shivananda & seine Devi Tarini lieben diese Hügel und dieses Tal. Allein deshalb habe ich diesen Ort verschont! Doch um die Fruchtbarkeit, die Freude und die Liebe an diesen Ort zurück zu bringen, ist es notwendig die Kräfte des Lebens, die ihr so leichtfertig verjagt habt, wieder einzuladen.
Also richtet ein Fest für den Saddhu aus, wie ihr es ihm zuvor versagt habt, und ladet ihn zu diesem Fest ein.
Mammondas: Aber wo können wir ihn finden? Und was können wir ihm jetzt noch anbieten? Unsere Obstgärten sind verdorrt, ebenso unsere Gemüsegärten!
Kali: Das lasst nur meine Sorge sein! Der Saddhu ist näher als ihr meint. Wendet euch gen Nordwesten und geht bis zu dem alten Baum am Kreuzweg. Vor Sonnenuntergang könnt ihr dort hingehen und wieder mit ihm zurück sein.
Rhababerraj: Und wenn er uns tötet?
Mammondas: Dann haben wir es wenigstens versucht!
Kali, lacht: So spricht ein Vira ! Falls du den Sonnenuntergang überlebst, so soll dein Name Rudranath sein, als Zeichen deines Mutes.
Mammondas verbeugt sich dankend.
Mammondas zu Rhababerraj: Kommst du mit?
Rhababerraj: Na gut, weil du mein Freund bist!
Rhababerraj zu Kali: Bekomme ich jetzt auch einen neuen Namen?
Kali: Nicht so eilig, geht erst mal!
Rhababerraj und Mammondas machen sich auf den Weg. Kali bleibt allein zurück. Sie winkt in Richtung Dollarnanda, der sich zu Boden plumpsen lässt und sich mit schmerzverzerrten Gesicht die Knochen reibt. Erst nach einigen Sekunden wird er sich wieder der Gegenwart der alten Frau bewusst.
Dollarnanda: Bist du immer noch hier, du alte Hexe! Sind meine Jünger tatsächlich abtrünnig geworden? Sind sie tatsächlich auf dem Weg, um diesen verhassten Saddhu zum Fest einzuladen. Und du willst die Vorbereitungen für das Fest treffen?
Kali: So ist es!
Dollarnanda: Und ich habe gehofft, ich hätte nur einen unseligen Alptraum gehabt! Ich bin verlassen! Ausgestoßen! Womit habe ich das verdient? Alle Lehren, alle Dogmen habe ich peinlichst befolgt und auf ihre Befolgung durch andere höchsten Wert gelegt! Umsonst! Vergeblich! Von den Gottheiten verlassen! Von den Menschen verlassen! Von meiner Familie, meiner Tochter verlassen! Ich muss mich zurückziehen! Ich gehe in die Wildnis!
Kali: Gute Entscheidung!
Szene VII
Wildnis, Baum, der Saddhu sitzt unter dem Baum, in Meditation versunken.
Mammondas und Rhababerraj nähern sich ängstlich.
Rhababerraj: Aber du sprichst ihn zuerst an.
Mammondas: Mach ich. Aber wie?
Rhababerraj: Keine Ahnung!
Die beiden sind bei dem Saddhu angelangt, der mittlerweile Mantras rezitiert und seine Mahla dazu dreht. Die beiden verharren schweigend, verlegen von einem Bein aufs andere tretend.
Shiva betet die Mahla zu Ende. Er schaut auf und mustert die beiden. Er runzelt die Stirn: Und?
Mammondas: Heiliger Mann, verzeih, wenn wir deine Meditation stören. Wir möchten für dich ein Fest in unserem Dorf geben und dich hiermit dazu einladen.
Rhababerraj: Und wir bitten dich, endlich den Fluch von unserem Dorf zu nehmen!
Mammondas tritt ihn unsanft und heimlich.
Shiva, lachend: Ich soll in euer Dorf kommen, meinen Fluch von euch nehmen? Vergesst es!
Mammondas: Dein Fluch war uns eine Lehre, wirklich! Hab Erbarmen! Wir haben uns geändert. Na ja, wir haben angefangen, wir versuchen es...mehr kann niemand versprechen.
Rhababerraj: Wir werden dir einen Schrein errichten.
Shiva: Das hört sich ja schon ganz gut an. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Aber ihr habt nicht nur mich und die Devis in eurer Anmaßung beleidigt! Das Schlimmste ist eure Überheblichkeit, Rücksichtslosigkeit und Lieblosigkeit gegenüber Euren Mitwesen! Deshalb werde ich nicht allein über euer weiteres Schicksal entscheiden. Doch will ich zunächst Eure Einladung annehmen. Lasst uns zu Eurem Dorf gehen. Dort werdet Ihr meine Entscheidung erfahren.
Mammondas & Rhababerraj verbeugen sich tief und mehrfach.
Mammondas: Dank sei Dir, Herr aller Wesen, dass Du uns eine Chance gibst!
Rhababerraj: Dank sei Dir, Höchster Guru, dass Du uns begleitest!
Shiva: Noch ist nichts für euch entschieden! Gehen wir!
Shiva erhebt sich. Alle gehen zum Dorfplatz.
Szene VIII Dorfplatz.
Alles ist wie von Zauberhand festlich geschmückt, aber menschenleer. Nur Kali ist da und steht lässig an einen Baum gelehnt, selbstzufrieden ihr Werk betrachtend.
Rhababerraj: Ein Zauber!
Mammondas: Sind wir etwa im falschen Dorf gelandet? Unmöglich!
Kali: Ihr habt ihn also gefunden, wie ich es euch gesagt habe.
Shiva: Sie wollen, dass ich den Fluch von ihnen nehme. Was meinst Du?
Kali: Gerade jene, die sich den Gottheiten nahe wähnen, lernen oft nur, wenn sie Leid erfahren. Doch scheinen die meisten hier ihre Lektion gelernt zu haben. Dennoch - ich möchte mich mit meinen Schwestern beraten. Und wir sollten auch die Menschen fragen - schließlich haben die am meisten unter dieser Tyrannei der Scheinheiligkeit zu leiden gehabt. Tarini und Shivananda sollen auch in unserer Beratung angehört werden. Ich habe schon allen Bescheid gesagt. Sie müssten jeden Augenblick hier sein.
Bei der letzten Äußerung machen Rhababerraj und Mammondas betretene Gesichter und schauen sich an, als ahnten sie nichts Gutes.
Rhababerraj & Mammondas, sich verbeugend, gleichzeitig: Erbarmen!!!
Kali, lachend: Aha - das ist wohl das schlechte Gewissen?! Nun ja, das zeigt wenigstens, dass ihr hier in diesem Dorf überhaupt noch über so etwas wie ein Gewissen verfügt! In Zukunft solltet ihr lieber darauf hören als auf die wohlklingenden und dümmlichen Parolen der Dollarnandas dieser Welt!
Tara & Parvati treten hinter einem Baum hervor. Hinter ihnen betreten Tarini & Shivananda als glücklich verliebtes Paar die Szene.
Parvati: Seid gegrüßt! Wir haben uns zum Schicksal dieses Dorfes ausführlich beraten. Jahrzehntelang sind die Klagen jener Pilgernden an unser Ohr gedrungen, für die diese Dorfgemeinschaft nur Spott und Steinwürfe statt Nahrung und Obdach hatte. So haben die Brahmanisten unseren Zorn erweckt. Doch wollen nicht wir das endgültige Urteil über sie sprechen.
Tara: Viele Menschen sind schwach, wenn man ihnen schmeichelt. Sie sind nur zu bereitwillig, wenn es darum geht, andere auszugrenzen, um sich selbst zu erhöhen. Selbst wir, die Göttinnen und Götter können ihnen nicht mehr helfen, wenn sie unsere Gaben, die Liebe, die Einzigartigkeit, die Freiheit und das Mitgefühl vergessen und mit Füßen treten! Wir können den Menschen nur Wege zeigen - gehen müssen sie diese selbst. Wir stehen jenen leitend und inspirierend zur Seite, die ein aufrechtes Herz und einen starken Willen haben, um diese zum Wohle aller Lebewesen einzusetzen.
Denn allein der Mensch kann sich von seinen inneren und äußeren Tyrannen befreien! Parvati: In Mythen und Legenden, in heiligen Symbolen, in der Meditation und im Gebet können die Menschen Kraft für ihren Weg finden. Doch wenn Religion nicht mehr spirituelles Zuhause ist sondern Mittel zur Unterdrückung Andersgläubiger, wenn Meditation und Gebet nicht mehr Zwiesprache mit der Gottheit sind, sondern nur der eigenen Profilierung dienen, dann kann nur Zerstörung und Leid die Folge sein. Und damit so etwas in diesem Dorf in Zukunft nicht wieder passiert, haben wir alle gemeinsam folgende Entscheidung getroffen, die Tarini nun bekannt geben wird.
Tarini: Nur durch Offenheit gegenüber dem Fremden, durch ständigen Austausch mit anderen und neuen Ideen, durch eine große Vielfalt an unterschiedlichen Eindrücken und Ideen können wir auf die Dauer vermeiden, dass diese Gemeinschaft wieder dem falschen Glanz der scheinbaren Erwähltheit verfällt. Nur indem wir das, was uns die Gottheiten an diesem Ort bisher so reichlich geschenkt haben, mit allen anderen teilen, die in friedlicher Absicht hierher kommen, können wir den Frieden und die Freude, die einst an diesem Ort zuhause waren, bevor die Brahmanisten diesen besiedelten, wieder erlangen.
Shiva: Gut beobachtet, Shakti! Doch sprecht - wie wollt ihr diese schönen Pläne verwirklichen? Shivananda: Wir werden ein Ashram bauen, ein spirituelles Zentrum, in dem alle Pilgernden, unabhängig von Hautfarbe oder sozialer Herkunft, unabhängig von ihrer Religion oder Stammeszugehörigkeit willkommen sein sollen. Und sie sollen dort versorgt werden mit nahrhafter Speise und einer trockenen Schlafstatt.
Parvati: Wenn ich auch die Menschen ebenso liebe, wie meine anderen Kinder, so muss ich doch sagen, dass manche Menschen träge, selbstgefällig und manchmal sogar zum Schaden für eine ganze Gemeinschaft werden, wenn sie nicht lernen, den Wert guter Gaben zu schätzen, weil sie sich niemals selber zu bemühen brauchten, um diese zu erlangen. Wie wollt ihr den Menschen helfen, diese Falle der Mildtätigkeit zu vermeiden und sich ins Bett dumpfer Trägheit sinken zu lassen?
Tarini: Jede Pilgerin und jeder Pilger soll entsprechend ihren eigenen Mitteln das Ashram unterstützen. Niemand soll sich durch reichliche Gaben von den einfachen Arbeiten freikaufen können oder durch ein hohes Amt von diesen ausgeschlossen sein - egal ob Gast oder Dorfbewohner. Jeden Tag wollen wir dort ein Willkommensfest für neu ankommende Pilgernde feiern, und jeder und jede soll entsprechend seiner Fähigkeit dazu beitragen, dass sich alle dort heimisch fühlen und Erholung von den Strapazen der Pilgerschaft finden.
Shiva: Das ist ein schöner Plan. Ich hoffe, die Gemeinde unterstützt euch dabei.
Alle Brahmanist/Innen nicken und tun eilig ihre uneingeschränkte Zustimmung kund.
Shiva: Unter diesen Umständen kann ich wohl meinen Fluch auflösen.
Er wendet sich den 3 Devis zu. Seid ihr einverstanden?
Tara, Parvati & Kali beraten kurz. Sie stecken die Köpfe zusammen und tuscheln.
Parvati: Hass und Angst, Misstrauen und Selbstgefälligkeit sind die wahren Tyrannen in diesem Dorf gewesen. Dollarnanda hat sie nur für sich zu nutzen gewusst. Doch wo die göttliche Kraft der Ekstase fließt, dort haben diese bösen Geister ausgespielt. Seht - allein durch die Liebe von Shivananda und Tarini hat dieses Dorf überhaupt eine Entwicklungschance bekommen, wenn auch höchst unerwarteter Natur. Deshalb soll in diesem Dorf ein Yonilingam aufgestellt werden, als Symbol höchster Liebe und Ekstase, als Zeichen der Vereinigung der Gegensätze von weiblich und männlich, dem immateriellen und dem materiellen, dem absoluten Nichts und dem absoluten Sein!
Denn in der göttlichen Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied. Samsara ist Nirvana , und Nirvana ist Samsara. Kali: Unser Mysterium ist das der Vereinigung der Gegensätze, der Befreiung aus den Fesseln von Dummheit, Gier, Anhaftung, Abstoßung und dem Hängen am Leben! Niemand soll einem anderen Menschen dienen! Auch wir, die Gottheiten wollen keine unterwürfigen Dienerinnen und Diener. Denn jeder, der einen anderen unterdrückt, unterdrückt sich selbst und wird irgendwann von den Früchten seines Handelns selbst zerdrückt.
Jede Frau und jeder Mann ist ein Stern, ein göttliches Wesen mit einer eigenen Sternenbahn!!! Durch das freudige Annehmen von Herausforderungen und Freundlichkeit gegenüber den Lebewesen dient ihr der Gottheit und euch selbst mehr als durch alle noch so mühseligen religiösen Übungen.
Shiva: So will ich den Fluch auflösen. Er schnippt mit den Fingern. Vogelgezwitscher erklingt.
Shiva: Ich werde der große Asket genannt. Doch meine wahre Askese besteht in der stetigen Ekstase. Das einzige, was ich mir versage, ist Langeweile und Frömmigkeit! Denn Selbstversagung ist Selbstbetrug. So möge das Yonilingam als Symbol der Vereinigung der Kräfte das Zentrum eures Ashrams sein. Damit auch im Äußeren die weibliche und die männliche Kraft harmonisch repräsentiert werden, sollen Tarini und Shivananda die erste Hüterin und der erste Hüter dieses Schreines werden.
Mögen sie mit Inspiration, Mitgefühl und gesundem Menschenverstand für die Erfüllung ihrer Aufgabe gesegnet sein!
Kali: Und mögen jene, die hierher kommen, etwas von dem Geist des Mitgefühls, der Freiheit und Befreiung, des Respektes und der Toleranz mit in die Welt nehmen, auf dass die Tyrannei der Dummheit gestürzt werde auf ewig! So sei es!
Shiva: Ich rufe euch, ihr Ghandarvas, Geister der Wildnis! Ich rufe euch, ihr Nagas und Naginis! Kommt zu mir, bringt Freude und Ekstase mit euch! Lasst uns eine Prozession der glücklichen Geister machen und das heilige Yonilinga als Zeichen der Freude und Befreiung aufstellen.
Ghandarvas erscheinen mit Yonilinga in feierlicher Prozession. Sie geben Shiva den Linga-Stein und Kali die Yoni-Schale.
Kali: So wie diese Schale Symbol des Weiblichen ist
Shiva: So ist dieser Linga Symbol des Männlichen
Kali & Shiva setzen Yonilingam zusammen und sprechen: ... und in Vereinigung erschaffen sie das Universum. Sie stellen das Yonilingam feierlich in der Mitte des Dorfplatzes nieder.
Tarini: So lasset uns feiern unter diesem wunderschönen Julivollmond bis die Sonne aufgeht, und alle freundlichen Wesen sollen unsere Gäste sein!
Vorhang
Finis
Quellen: Maya, die indische Weltenmutter, H.Zimmer; Mahanirvana Tantra, engl. Übers. A. Avalon, Dover; Kaulajnana Nirnaya, P.C. Bagchi; engl. Übers. Michael Magee, Prachya Prakashan, Varanasi, Indien; Vamakesvarimatam, trad. Shri Vidya; ders. Übers.; Tantra Magick, M.Magee, Mandrake of Oxford publ.; Kularnava Tantra, Ram Kumar Rai, Prachya Prakashan