ZWEI PRIESTERINNEN und ZWEI PRIESTER tragen priesterliche Insignien in Gold und Silber. PRIESTERINNEN tragen Isiskronen und halten Stäbe.
PRIESTER tragen Pharaonenkronen und halten Hirtenstäbe. Die beiden Kandidaten repräsentieren ERDE und MOND.
Die Erde wird von einem Mann dargestellt, der in braune und ockerfarbene Gewänder gekleidet ist. Er ist barhäuptig und trägt das Sigill der Erde.
Der Mond wird von einer weißgekleideten Frau dargestellt, deren Kopf von einem weißen Schleier verhüllt ist. Sie trägt das Sigill des Mondes.
Sieben Teilnehmende repäsentieren die sieben Planeten. Ihre Roben haben folgende Farben: MERKUR - gelb (Merkur trägt den Caduceus), VENUS - grün, MARS - rot, JUPITER - blau, SATURN - schwarz, URANUS - grau, NEPTUN - purpurrot. PLUTO erscheint als Wächter in einer indigoblauen Robe.Alle Repräsentanten der Planeten tragen das entsprechende Planetensigill.
Zwölf Teilnehmende repräsentieren die zwölf Tierkreiszeichen; sie tragen Sternenkronen und entsprechende Insignien. Die Farben ihrer Roben sind: WIDDER - scharlachrot, STIER - grün, ZWILLINGE - gelb, KREBS - violett, LÖWE - orange, JUNGFRAU - korngelb, WAAGE - jadegrün, SKORPION - karmesinrot, SCHÜTZE - sapphirblau, STEINBOCK - schwarz, WASSERMANN - himmelblau, FISCHE - türkisgrün.
WÄCHTER schlägt dreimal den Gong.
1.PRIESTER: Gefährtinnen und Gefährten, die ihr euch Harmonie durch die Vereinigung von Gerechtigkeit und Mitgefühl wünscht; wir haben uns versammelt, weil wir uns nach Frieden für unsere Erde sehnen. Wir bereuen die Torheiten der Menschheit, unter denen die Lebewesen und Pflanzen auf der Erde leiden. Wir wollen uns dem Richtspruch des Osiris stellen, um zu erfahren, was wir tun können, damit das Gleichgewicht der Natur wieder hergestellt wird. Wir sehnen uns nach dem Mitgefühl der Isis, damit wir anderen und uns vergeben können.
(Opfert Räucherwerk am Altar und hebt seinen Stab.)
Osiris, Richter der lebenden und der Toten, Dir opfere ich Weihrauch! Nur wenn wir dir gegenübertreten, können wir die Neugeburt unserer selbst und unserer Erde erlangen. Gewähre uns dein Orakel!
Orakel des Osiris, gegeben durch den 2.PRIESTER:
Mein Sohn, wisse daß es vier Richtsprüche gibt: den Heiligen Erlass der allwissenden Gottheiten; den Richtspruch derer, die dich umgeben; den Richtspruch jener, die unter deiner Autorität stehen und deine eigene Selbsteinschätzung. Den Urteilsspruch der Gottheiten nimmst du mit Ehrfurcht und Demut an. Dein Verstand und Herz werden vom Richtspruch deiner Familie und deiner Freunde tief beeinflusst; es ist schmerzhaft, beim einfachen Volk, bei Kindern und Tieren unbeliebt zu sein; am tiefsten aber verletzt es, wenn man in einen Spiegel schaut und dabei merkt, daß man das hasst, was man darin sieht! Ihr wendet euch an mich, damit ich euch in eurer Lage Ratschläge erteile - dies tue ich, wenn ihr meditiert. Aber es liegt an euren Gefährten und an euch, was ihr mit dem solcherart übertragenen Wissen anfangt.
1.PRIESTER: Wir danken dem Gott Osiris für sein Orakel.
1.PRIESTERIN: (opfert Räucherwerk und erhebt den Stab) Heilige Göttin Isis, liebende Tochter, Gemahlin, Mutter, Du weißt, was es bedeutet, menschlich zu sein. Das Herz verzagt uns, wenn wir sehen, welche Zerstörung wir über die Regenwälder, die Meere und die Tiere gebracht haben. Zwar kämpfen wir, damit dieses von Menschen verursachte Leid rückgängig gemacht werde aus unserer Erkenntnis und weil es unsere Pflicht ist; dennoch bedürfen wir Deiner Hoffnung und Freude, um uns ein standhaftes Herz zu verleihen. Ohne dich würden wir in Verzeiflung und Untätigkeit verfallen. Gewähre uns Dein Orakel!
Orakel der Isis, gegeben durch die 2.PRIESTERIN:
Ich freue mich darüber, daß ihr euch in dieser elften Stunde zu mir wendet! Wisset, daß mein Mitgefühl in jedem von euch wohnt. Wenn Grausamkeit und Habgier euch wütend machen, so ist dies in Hass verwandelte Liebe. Wenn ihr verzweifelt seid, so liegt das daran, daß ihr einst das Himmelreich gekannt habt. Wenn ihr euch weigert, zu empfinden, so liegt das daran, daß ihr einstmals zuviel gefühlt habt.
Fürchtet euch nicht vor euren Gefühlen! Durch eure Achtung vor Ehre und Gerechtigkeit spricht Osiris der Erde ein gerechtes Urteil. Denn ohne Gerechtigkeit wird aus Frieden Schwäche. Eure Liebe aber führt zur Ekstase, sogar wenn ihr in einer Betonvorstadt, einem schmutzigen Slum oder einer von Hungersnöten heimgesuchten unfruchtbaren Wüste lebt.
Wenn ihr nur einmal euer Herz einen Augenblick lang für mich öffnen würdet, dann würdet ihr wissen, daß in der Ewigen Wirklichkeit alles gut ist! Dann würdet ihr klar und deutlich erkennen, wie ihr dieser überschatteten Erde dazu verhelfen könnt, ihr wahres Wesen als Land der Herzenssehnsucht zu verwirklichen! Wisset, daß Frieden und Gerechtigkeit Eins sind; Vollkommenheit und Natur sind Eins; Osiris und Isis sind Eins.
1.PRIESTERIN: Wir danken Isis für ihr Orakel.
1.PRIESTER: Wir müssen die herrschende Sonne anrufen, damit sich Gerechtigkeit und Frieden auf der Erde durchsetzen können. (Er opfert Räucherwerk am Altar und hebt seinen Stab.) Wir verehren dich, oh Ra, wenn du aufsteigst in deiner Schönheit. Du überschreitest den himlischen Zenith und dein Herz ist erfüllt mit Freude. Die Sektet-Barke zieht dahin, und mit den günstigen Winden eilst du in der Atet-Barke voraus. Lass uns unter deinen bevorzugten Gefährten sein. Herr der Schönheit, bring uns in deinem Boot der Millionen Jahre sicher zu deinen Wohnstätten in der Ewigkeit.
1.PRIESTERIN: (opfert Räucherwerk am Altar und zieht mit ihrem Stab das Zeichen der Hathor.) Komm zu uns oh Hathor, die du die Sonne auf deinem gehörnten Haupte trägst. Muttergöttin, die du in den sichtbaren Himmelreichen lebst, Quelle und Beherrscherin von Allem, hilf uns dabei, unsere Erde in Harmonie zu bringen, denn nur durch sie können wir uns an deinen Gaben erfreuen. Ohne Hilfe hast du durch deine Macht und Energie die Erde mit allem, was sie enthält erschaffen. Du hast uns die Lebenskraft eingehaucht. Gib uns von deiner Kraft, damit wir sie zum Guten einsetzen.
1.PRIESTER: Wir brauchen die Sanftmut des Wassers, damit es sich mit dem Sonnenfeuer vermischt. Möge uns das Wasser des Lebens geschenkt werden.
FISCHE, WASSERMANN UND KREBS:(haben Silberschalen mit Wasser und salben jedem die Stirn mit diesen Worten): Mögest du wahre Visionen haben.
2.PRIESTERIN: Lasset uns Sonnenfeuer und Wasser im Gleichgewicht ausstrahlen, damit durch Ra und Isis die Macht zu uns kommt.
2.PRIESTER UND 2.PRIESTERIN STEHEN EINANDER GEGENüBER UND BRINGEN IHRE HANDFLäCHEN ZUSAMMEN BIS SIE DIE ENERGIE EMPFANGEN. DANN GEBEN SIE DIESE AN DIE TEILNEHMENDEN WEITER, INDEM SIE DIE HÄNDE NACH AUSSEN HALTEN.
2.PRIESTER: Lasset uns den heiligen Namen der Isis der Sieben Planeten intonieren, von denen jeder auf einen der Sieben Kosmischen Strahlen der Schöpfung eingestimmt ist.
MUSIK
MARS: Ich rufe die Göttin des Mars, Morrigan von Irland! (ALLE SINGEN "MORRIGAN")
VENUS: Ich rufe die Göttin der Venus, Kwan Yin von China! (ALLE SINGEN "KWAN YIN")
MERKUR: Ich rufe die Göttin des Merkur, Sophia von Byzanz! (ALLE SINGEN "SOPHIA")
JUPITER: Ich rufe die Göttin des Jupiter, Muth von Ägypten! (ALLE SINGEN "MUTH".)
SATURN: Ich rufe die Göttin des Saturn, Astarte von Assyrien! (ALLE SINGEN "ASTARTE".)
URANUS: Ich rufe die Göttin des Uranus, Sarasvati von Indien!(ALLE SINGEN "SARASVATI".)
NEPTUN: Ich rufe die Göttin des Neptun, Ngame von Afrika! (ALLE SINGEN "NGAME".)
2.PRIESTERIN: Gefährtinnen und Gefährten der Planeten; möge die Musik eurer unterschiedlichen Strahlen durch den Tanz der Planeten in Einklang gebracht werden!
Musik. Die SIEBEN PLANETEN tanzen; sie beenden den Tanz damit, daß sie deosil um den Altar tanzen, wo sie dann stehenbleiben.
2.PRIESTERIN: Lasset uns die zwölf heiligen Namen der Isis des Tierkreises intonieren!
FISCHE: Ich rufe die Göttin der Fische, Cerridwen von Wales! (ALLE SINGEN "CERRIDWEN".)
WIDDER: Ich rufe die Göttin des Widders, Durga von Indien! (ALLE SINGEN "DURGA".)
STIER: Ich rufe die Göttin des Stiers, Maya von Südamerika! (ALLE SINGEN "MAYA".)
ZWILLINGE: Ich rufe die Göttin und den Gott der Zwillinge, Artemis und Apoll von Hellas! (ALLE SINGEN "ARTEMIS!APOLLO".)
KREBS: Ich rufe die Göttin des Krebs, Tiamat von Babylon! (ALLE SINGEN "TIAMAT".)
LÖWE: Ich rufe die Göttin des Löwen, Sekhmet von Ägypten! (ALLE SINGEN "SEKHMET".)
JUNGFRAU: Ich rufe die Göttin der Jungfrau, Dana von Irland! (ALLE SINGEN "DANA".)
WAAGE: Ich rufe die Göttin der Waage, Tara von Südostasien! (ALLE SINGEN "TARA".)
SKORPION: Ich rufe die Göttin des Skorpion, Ama-Terasu von Japan!(ALLE SINGEN "AMA-TERASU".)
SCHÜTZE: Ich rufe die Göttin des Schützen, Brunhild der Nordländer! (ALLE SINGEN "BRUNHILD".)
STEINBOCK: Ich rufe die Göttin des Steinbocks, Terra von Rom! (ALLE SINGEN "TERRA".)
WASSERMANN: Ich rufe die Göttin des Wassermanns, Eloh-igi-netse von Nordamerika! (ALLE SINGEN "ELOH-IGI-NETSE".)
2.PRIESTERIN: Lasset die Sterne den Labyrinth-Tanz des Tierkreises aufführen!
MUSIK. DIE ZWÖLF KONSTELLATIONEN des Tierkreises vollführen den Labyrinthtanz; sie beenden diesen, indem sie sich sinistroversus im Kreis um die Sieben Planeten bewegen. Alle ANDEREN TEILNEHMENDEN formieren einen dritten Kreis der die anderen beiden Kreise umschließt.
Alle drei Kreise tanzen um den Altar herum: die PLANETEN deosil, die STERNZEICHEN sinistroversus, die TEILNEHMENDEN deosil.
1.PRIESTERIN: Gefährtinnen und Gefährten, wir wollen gemeinsam spüren, wie der Regenbogenfluss der Energien unser ganzes Sein durchströmt, damit wir wie vielfarbige Sterne im Einklang mit der Musik der Sphären erstrahlen.
MUSIK. Ein Lied kann dargeboten werden.
1.PRIESTER: Wir alle müssen uns dem Richtspruch von Osiris stellen, um eine neue Geburt zu erlangen. Selbst unsere Erde stellt sich der Initiation. Nur Isis kann uns dabei helfen, dem Auge des Horus, Sohn von Isis und Osiris, gegenüberzutreten. Damit die Seele Verstehen erfährt, bieten wir das Mysteriendrama vom Richtspruch dar. Der Prozess der Erde und ihres Zwillingsplaneten, dem Mond soll eröffnet werden!
WÄCHTER schlägt zweimal den Gong.
DER PROZESS VON ERDE UND MOND
MERKUR(seinen Caduceus vorstreckend): Gefährtinnen und Gefährten des Olymps der Kosmischen Hierarchie, höret Jupiter, den Vater der Götter und Menschen!
JUPITER: Wir sind hier versammelt, um zu beurteilen, ob wir die Planeten Erde und Mond als Kandidaten für die Planeteninitiation zulassen. Ist es der Wille der Gesellschaft des Olymp, daß die beiden vorgeführt werden?
ALLE: Es ist unser Wille!
JUPITER: Möge Merkur, der Psychopompos, Führer der Seelen, uns die beiden vorführen.
MERKUR führt ERDE und MOND vor die Versammlung.
SATURN (zu beiden): Erkennet mich als Saturn und Titan.
SATURN(zu MOND): Mond, bist du bereit, die Prüfungen der Einweihung in die Himmlische Gesellschaft der Planeten auf dich zu nehmen? Die Planeten sind die Nachkommen der Sternbilder. Durch die Wiedergeburt der Einweihung kannst du eine neue Sphäre des Seins erreichen.
MOND: Ich habe lange davon geträumt, daß mir diese Möglichkeit geboten wird. Aber mir geht es nicht darum, Großartigkeit zu erreichen. Ich strebe nur nach Fruchtbarkeit, nach der Freude, die darin liegt, sich um die Bäume und all die anderen Lebewesen zu kümmern.
SATURN (zu ERDE): Was meinst du, Erde? Möchtest du ein Kandidat für die Einweihung sein, um in der Himmlischen Gesellschaft der Planeten wiedergeboren zu werden?
ERDE: Erstens habe ich noch nie etwas von dieser Himmlischen Gesellschaft gehört! Außerdem bin ich, soviel ich weiß, schon ein Planet. Was für Vorteile hätte ich dadurch?
SATURN: Du bist nur der Schatten eines Planeten, die Form dessen, was sein könnte, besiedelt von geisterhaften Bewohnern, die so vergänglich wie ein Traum sind. Du bedarfst der vorzeitigen Einweihung, weil dein Planetentraum zu einem Albtraum geworden ist. Der freie Willen ist verloren, wenn das Böse das Gute überwindet. Dann aber mischen sich die Gottheiten auf die ein oder andere Art ein. Du stehst vor dem Verderben und hast den Mond in dieselbe Gefahr hineingezogen.
MOND: Schon jetzt werde ich von den irdischen Lebewesen vergiftet, obwohl ich nichts Böses getan habe. Mögen wir beide durch die Kosmische Hierarchie geprüft werden! Freudevoll werde ich die Folgen tragen. Nichts kann schlimmer sein, als meine augenblickliche Verschmutzung.
ERDE: Das mag für dich zutreffen! Du hast gar nichts getan, wie du eben sagtest! Aber das ist auch einfach genug, wenn du weder die Möglichkeit, noch die Fähigkeit oder die Macht dazu gehabt hast. Wie aber kann ich wissen, was mit mir passiert, wenn ich gewinne oder verliere? Sie sagen, daß das Verlieren mein Verderben wäre - das scheint zwar unangenehm zu sein; aber es ist nicht unbedingt eine Überraschung. Vielleicht wird es gar nicht so schlimm. Wenn ich bestehe, dann gehe ich ein in die Kosmische Hierarchie - was dies auch sein mag. Der Hierachie würde dies keinerlei Vorteile bringen, aber es wäre mein Ende! (zu SATURN) Was passiert, wenn ich mich weigere und den Dingen ihren momentanen Lauf lasse, sogar zum Verderben?
SATURN: Selbstzerstörung.
ERDE (schmollend): Es scheint so, als hätte ich keine Wahl. Na gut; so bin ich eben - wagen, machen und nicht nach den Folgen fragen. (zeigt zu MOND) Sie kann nicht behaupten, daß ich ein Feigling wäre. Nicht daß ich am Übernatürlichen Gefallen fände - aber fahret fort im eurer Verhandlung.
JUPITER: Der Ankläger der Erde möge vortreten.
VENUS tritt vor.
VENUS: Es ist traurig, daß ich den Planeten Erde anklagen muß, den ich selbst einst hervorgebracht habe! Aber ich habe keine Wahl, wenn ich meine anderen Kinder retten will. Meine einstmals so liebliche Welt ist verschmutzt. In Schweigen hüllt sich der Frühling. Die Luft ist so vergiftet, daß die Vögel im Flug vom Himmel herabfallen. Schiffe pflügen sich ihren Weg durch tote Fische. Die Regenwälder werden abgeholzt und die Tiere, die dort lebten, sterben in den Wüsten. Für hohles Wissen werden Tiere gequält. Wenn der Planet Erde in unsere Gesellschaft aufgenommen wird, dann könnte er die ihm anvertrauten Kräfte missbrauchen und noch größere Zerstörung über jene bringen, die schwächer sind als er. Stattdessen sollte die Erde durch die heiligen Elemente von Feuer, Luft und Wasser gereinigt werden, damit das Leben in einem besseren Zyklus von Neuem beginnen kann.
SATURN: Möge der Verteidiger des Planeten Erde vortreten und für ihn sprechen.
MARS tritt vor.
MARS: Ich bin Fürsprecher dessen, was der Planet Erde sein könnte.Welchen Nutzen hat das verschüttete Talent? Mond bedarf weder der Fürsprache, noch hat sie irgendeine Tugend, die aus dem Kampf geboren ist. Die Erde arbeitet hart und lange zu ihrem eigenen Vorteil! Warum auch nicht? Auch dies ist eine Art der Güte. Denn mit dem begrenzten Bewußtsein, das der Planet Erde hat, und das für uns nicht mehr ist als das Bewußtsein einer Mücke, kennt er nur sich selbst als Gott. Er ist der einzige Gott, den er überhaupt kennt. Er muss Gott in jemandem anderen, sagen wir Mond, erfahren; und so wird er seine ursprüngliche Bestimmung als ein praktischer Hüter seiner Lebewesen und Pflanzen verwirklichen. Edle Gefährtinnen und Gefährten des Olymps; ich plädiere dafür, daß der Planet Erde als Einweihungskandidat angenommen wird. Nicht etwa, weil er er es wert wäre - wir alle wissen, daß dies nicht so ist - sondern weil er der Einweihung bedarf. Lasset ihn der Probe gegenübertreten und von uns unterrichtet werden; nicht für das, was er ist, sondern für das, was er sein könnte. Auf diese Art wird er unsere Kräfte nicht missbrauchen.
URANUS: Es ist schwierig, sich vorzustellen, wie ein reuiger Planet Erde wäre.
MARS: Möge Neptun uns eine Vision der möglichen Apotheose des Planeten Erde geben.
MUSIK.
NEPTUN: Ich singe von der Zukunft des Planeten Erde und aller, die ihn bewohnen. Seht, vor den Augen des Geistes steigen stolze Städte mit vielfarbigen Türmen auf; und Bäume, noch wunderbarer anzusehen, strecken sich dem Himmel entgegen. Blumenbedeckte Wege ziehen sich an fischreichen Flüssen entlang; die wilden Tiere streifen frei herum, ohne daß sie je- mandem Leid antun. In den Hallen des Lernens studieren Männer und Frauen die Mysterien; in den Feldern tanzen und singen junge Leute unter den üppig tragenden Obstbäumen! In schattigen Dörfern zwischen den lichten Hügeln leben all jene, die die Künste der Landwirtschaft praktizieren. Verborgen in den mächtigen Wäldern in den Tälern zwischen den schneebedeckten Höhen leben die Magier, die mit den wilden Tieren, den Vögeln und den Naturwesen in der Sprache der Gottheiten sprechen, welche die Sprache der Gedanken ist. Sie rufen Visionen eines künftigen noch edleren Daeins hervor. Sie sind es, die mir diese Vision geben.
Musik endet.
Erde (mit Entsetzen): Rechnet nicht auf mich! Wenn ich wiedergeboren werden soll, dann dachte ich an etwas, was ein kleines bißchen interessanter ist als das hier!
SATURN: Gibt es einen Ankläger des Mondes?
(Stille.)
JUPITER (zu MOND): Es ist niemand da, der gegen dich sprechen will.
MOND: Ich bin im Licht wiedergeboren! Mich erfasst mystische Freude. Aber trotzdem sehne ich mich noch immer nach gemeinsamer Erfüllung mit dem Planeten Erde. Ich kann ihn nicht verlassen. Wir sind Zwillinge.
ERDE: Lass dich bloß nicht von mir aus irgendeinem deiner Traumreiche herabziehen. Ich sehe nichts von dem Licht, über das ihr redet. Außerdem mag ich das Wort "Reue" sowieso nicht. Trotzdem sorge ich mich um das, was sozusagen unter meiner Schirmherrschaft passiert. Ich mag die Menschen nicht; die Tiere ziehe ich ihnen bei weitem vor. Noch mag ich ein paar Leute - und eine Menge Kinder.(plözlich) Ich nehme die Wiedergeburt an, wenn sie mir angeboten wird! Unter einer Bedingung!
JUPITER: Willst du etwa einen Handel mit den Göttrn abschließen?
ERDE: Na klar! Selbst wenn ich eingeweiht bin, bitte kein Himmelreich für mich! Als dritter Planet von der Sonne aus bleibe ich, wo ich bin.
MOND (begeistert): Und ich bleibe bei dir!
JUPITER: Gefährtinnen und Gefährten der Planeten und Sterne, jetzt ist die Zeit gekommen, da wir unseren Richtspruch beraten müssen.
STEINBOCK: Höret Steinbock, den Beisitzer! Die Sternengottheiten nehmen ebenso wie die Planeten Mond an, denn niemand hat gegen sie gesprochen! Außerdem hat sie Sophia, das Göttliche Licht als ein Zeichen vom Himmel empfangen. Es liegt daher an uns, nun zu beschließen, ob die Erde auch als Kandidat für die Einweihung in die Himmlische Gesellschaft angenommen werden soll. Die Planeten haben schon durch Venus und Mars gesprochen. Jetzt sprechen die Sternbilder.
JUNGFRAU: Höret den weisen Ratschlag der Jungfrau. Wenn wir den Planeten Erde aufnehmen, so ist es wahrscheinlich, daß er die Prüfung nicht besteht und dadurch noch mehr als jetzt verloren ist! Wenn er aber die Prüfung besteht und unsere Lebenskraft empfängt, dann kann er diese für selbstsüchtige Zwecke missbrauchen und damit seine Vergiftung in unser Sonnensystem und sogar darüber hinaus tragen.
SCHÜTZE: Lasst den Schützen den entgegengesetzten Standpunkt einnehmen und dabei eher mutig als vorsichtig sein! Für ein edles Ziel können wir die Gefahr des Machtmissbrauches ein- gehen. Der Planet Erde, vereint mit Mond könnte uns allen Reichtum von Kraft in Verbindung mit Sanftmut, Willen verbunden mit Bewusstheit, Leidenschaft und Stille geben.
WAAGE: Ich bin das Zeichen der Waagschalen. Lasset uns mit gerechtem Urteilssinn über jede der beiden Seiten meditieren, damit wir ein gerechtes Urteil fällen.
Alle sitzen. MUSIK. Meditation, anschließend Austausch von Berichten.
Diskussion mit JUPITER im Richterstuhl.
JUPITER: Mögen nun alle, die dafür sind, den Planeten Erde als Einweihungskandidat anzunehmen, ihre rechte Hand heben.
(Alle, die zustimmen, heben die Hand.)
Möge Merkur die Stimmen auszählen.
MERKUR zählt und übermittelt JUPITER das Ergebnis.
JUPITER: Ich erkläre hiermit, daß die Ja-Stimmen (Nein-Stimmen) überwiegen. Der Planet Erde ist angenommen (nicht angenommen).
WASSERMANN: Höret den Wassermann des Neuen Aeons! Wir, die Sternengottheiten akzeptieren eure Entscheidung. Jedoch haben wir schon in einem höheren Gerichtshof darüber entschieden, ob die Einweihung schnell oder mit langer Verzögerung geschehen soll. Alles, was an Erde und Mond schlecht ist, möge zerstreut und aufgelöst ins Nichts werden, von wo es gekommen ist. Aber alles Gute ist ein Teil der Ewigen Wirklichkeit und soll für immer in unserer Gesellschaft sein.
WIDDER(zu ERDE) : Ich, der Widder und Hirte der Sternenherden kröne dich, Erde, mit den Lorbeeren des Sieges nicht für das, was du bist, sondern in Anerkennung dessen was du sein kannst.
WIDDER krönt ERDE mit dem Lorbeerkranz.
KREBS(zu MOND) : Ich, Krebs, Hüter der vergangenen Aeonen kröne dich, Mond, mit den Blüten und Beeren der Fruchtbarkeit nicht für das, was du bist, sondern in Anerkennung dessen was du sein kannst.
KREBS krönt MOND mit den Blüten und Beeren der Fruchtbarkeit.
ZWILLING: Im Namen des Zwillingspaares von Göttin und Gott möge die Himmlische Gesellschaft frohlocken! Die Sterne und die Planeten sind Eins! Isis und Osiris sind Eins! Erde und Mond sollen in ewiger Freude vereint sein!
WASSERMANN: Lasset uns den Tanz des Neuen Aeons vollführen!
MUSIK. Alle vollführen einen Spiraltanz, in dem sie die drei Kreise miteinander verbinden. Wenn der Tanz endet, schlägt der WÄCHTER einmal den Gong.
1.PRIESTERIN (macht das Zeichen des Ankh): Wisset, daß der Urteilspruch des Osiris und das Mitgefühl der Isis in jedem Verstand und in jedem Herzen Gerechtigkeit und Frieden miteinander in Einklang bringen. Wenn unsere Zeit gekommen ist, dann wird jeder von uns in seinem Lichtkörper erwachen, während er mit seinen Füßen auf der festen Erde steht. Darum sollten wir die Erde als das ansehen, was sie wahrhaft ist: vollkommen. Gehet dahin mit dem Segen der Isis.
1.PRIESTER (macht das Zeichen von Hirtenstab und Dreschflegel, ein X): Im Namen von Osiris, dem Richter der Lebendigen und der Toten, mögen Wahrheit und Gerechtigkeit für alle Lebewesen auf der Erde die Oberhand gewinnen! Gehet dahin mit dem Segen des Osiris!
WÄCHTER schlägt einmal den Gong.
Finis
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Es wird darauf hingewiesen, dass die Übersetzung nur zum privaten Gebrauch innerhalb der Fellowship of Isis bestimmt ist.
Die Übersetzung ist
autorisiert