Vorwort
Übersetzung: Rt. Rev. Hamsadevi Claudia, AU
Jene, die Magie praktizieren, haben
die Stufe deren höchster Vollendung erreicht, wenn es ihnen gelingt, gemeinsam mit den
Gottheiten am Schöpfungsprozess teilzuhaben. Der Magische Stab ist der Pinsel, der
Magische Kreis ist die Leinwand, und die Lebensstrahlen sind die Farbtupfer. Invokation
belebt die so geschaffenen Formen. Die Vorstellungen des Bewusstseins schaffen Ursachen,
die durch das Gesetz der Oktaven auf vielen Ebenen Wirkung zeigen.
Stellen wir uns den magischen
Aspiranten als den Narren vor, so wie er im Marseille Tarot-Deck abgebildet ist. Dieser
Satz von alten Symbolbildern ist das Vorbild für alle Spielkartensätze. Nach Europa
kamen diese Karten durch Zigeuner, die sie aus Ägypten über Indien hierher brachten. Die
Karten wurden als "das Verlorene Buch des Thoth", des ägyptischen Gottes der
Weisheit bezeichnet. Das Große Arkanum handelt von Einweihung; in den Kleinen Arcanen
wird der Neophyth in der Kunst der Handhabung der Vier Bewusstseinselemente unterrichtet.
Der Narr oder der weibliche oder
männliche Neophyth begegnet den zwei großen Lehrern: Thoth, dem Magier und Sekhmet, der
Zauberin, der ägyptischen Löwen-Göttin. Beide sind mit einer Kopfbedeckung abgebildet,
aus der Strahlen in Form einer liegenden Acht als Hinweis für ausgeglichene Kraft
ausströmen. Der Magier herrscht über die Vier Elemente Geist, Energie, Gefühl und
Instinkt. Diese werden durch den Stab, das Schwert, den Kelch und die Münze
repräsentiert: Feuer, Luft, Wasser und Erde.
Der Magus ist der Hermetische
Psychopompos, der Führer der Seelen. Die Magierin, "la Force" oder "die
Kraft" herrscht über die innere "Kundalini"-Kraft. Sie wird dargestellt,
wie sie einen Löwen zähmt, der eine symbolhafte Emanation ihres eigenen Körpers
darstellt. Der Magus stellt den weiblichen oder männlichen Neophythen den vier Lunaren
und Solaren Göttinnen und Göttern vor. Als nächstes werden die Initiationsstufen
gezeigt, die durch alchimistische Transmutation zur geistigen Wiedergeburt führen. Der
Neophyth erlebt Tod und Auferstehung; er oder sie begegnet dem Gehörnten Gott und
empfängt von der Göttin das Wasser des Lebens. Das Symbol für die erfolgreiche
Vollendung dieser Einweihung ist das Bild des "vom Blitz getroffenen Turm".
Diese Abbildung, auch "La Maison Dieu" (=das Haus Gottes) genannt, zeigt den
Tempel des Geistes, dessen befestigtes Dach durch den einschlagenden Blitz aufgebrochen
wird und jetzt in Flammen aufgeht. Auf dieser Stufe erkennen wir, dass der Narr durch die
Öffnung seines oder Ihres Kronen- oder Scheitelchakras in die Kundalini-Kraft eingeweiht
wurde. Der oder die Neu-Erwachte stürzt nun steil zurück zur Mutter Erde. Durch die
Freude des Eingeweihten an den Sphären von Mond, Sonne und Sternen zeigt sich dessen
Apotheosis. In einer wundervollen Vision zeigen sich die beiden Göttinnen von Sonne und
Mond entschleiert. Die Herrscherin hat ihre Krone und Robe abgelegt und enthüllt sich als
die nackte Liebesgöttin Hathor mit dem Strumpfband der Venus an ihrem linken Bein. Über
ihr ist das Sternbild Stier mit dem Siebengestirn der Hyaden und Aldebaran, dem roten Auge
des Stieres zu sehen, denn Hathor ist eine Kuhgöttin. Sie ist La Source" (=die
Quelle), und sie lässt das Wasser des Lebens fließen.
Die letzte Karte des Großen Arkanums
zeigt die Entschleierte Isis, die zuerst als Göttin-Hierophantin die priesterliche Robe
trug. Nun steht sie nackt da, als Fortuna, die weltliche Sophia. Sie ist vom Tierkreis
umgeben, und die Vier Geflügelten Cherubin - Stier, Löwe, Adler und der Engel - behüten
sie.
Die Zauberin überträgt der oder dem
neu Eingeweihten die Energien der Lebenskraft. Der Magier lehrt deren Anwendung durch die
vier alchimistischen Elemente. Es ist die Hand des Magiers, die auf den vier As-Karten der
Kleinen Arcanen das Emblem des jeweiligen Elementes hält. Schließlich übernimmt die
oder der erfolgreich Eingeweihte die Rolle der Zauberin oder des Magiers, und ist bereit
und vorbereitet, um einen neuen Narren zu leiten. Ein Neophyth, der für die Suche bereit
ist, erscheint mit Hund und Bündel.
Vor jedem Ritual sollte die oder der
Praktizierende durch irgendeine Handlung, wie zum Beispiel die Darbringung von Weihrauch
Göttinnen und Götter zu verehren. Die Gottheit oder die Gottheiten sind weder
unpersönliche Archetypen noch Personifikationen menschlicher Ideale; sie sind
transzendente Wesen, die das Universum beherrschen, indem sie die Archetypen und Tugenden
auf ihre eigene Art und Weise durch die Engelshierarchien benutzen. Der Magier tut gut
daran, die Gottheit und deren Tugenden sowie die Erwartungen der Betenden zu beschreiben.
Der Begriff "Gott" oder "Göttin" impliziert, dass diese Wesenskräfte
"gut" sind, also göttliche Eigenschaften haben. Die oder der Praktizierende hat
vollkommenen Glauben an die Gottheiten sowie an die Schutzengel und Helfer. Auch die
Absicht der Zeremonie sollte gut sein.
Erst vor kurzem hat die westliche
Magie die Beschwörung von Elementengeistern in ihre Praxis einbezogen. Mittelalterliche
Praktizierende glaubten an die Wirksamkeit eines Handels mit solchen Geistern, um so
verstärkte Unterstützung für irgendeinen Zweck zu bekommen. Sie beschworen einen
Elementenherrscher herauf, um mit ihm einen Handel abzuschließen, nach dessen
Vereinbarungen sie als Austausch für irgendeine Gabe die Elementengeister beherrschen
konnten. Diese Haltung erinnert an die Gepflogenheiten des Sklavenhandels und der
Fronarbeit. Auf eine niedrigere Ebene übertragen finden wir das Beispiel von den Iren,
die darauf bedacht waren, einen Leprachaun (= eine Art irischer Kobold) zu fangen, um
"ihn so lange zu schütteln, bis er verrät, wo er das Gold versteckt hat". In
mittelalterlichen Manuskripten findet man Abhandlungen darüber, wie tyrannische Magier
durch die von widerspenstigen Geistern verursachten zerstörerischen
Poltergeister-Erscheinungen in Stücke gerissen worden sind! Es zeugt nicht nur von einer
demokratischen Grundhaltung, sondern es ist darüber hinaus auch klug, die Freiwilligkeit
eines jeden geistigen Wesens zur Vorraussetzung für die Teilnahme an magischen Riten zu
machen.
Sogar noch im neunzehnten Jahrhundert
gibt ein Weißmagier seinen Lesern eine Formel, mit der sie einen freundlichen Geist in
ihrem Haus gefangen halten können! Bei der Übertragung von Macht an solche, die ethisch
unreif für den Umgang mit diesen Kräften sind, war die Magie glücklicherweise weniger
erfolgreich als die Wissenschaft. Man fühlt sich an Shakespeares Portrait des walisischen
Magiers Owen Glendover erinnert der behauptet: "Ich kann die Geister aus den
grenzenlosen Tiefen herbeirufen.", worauf Hotspur zynisch antwortet: "Das kann
ich auch, und jeder kann es! Aber werden sie auch kommen, wenn du sie rufst?!"
Wir lächeln vielleicht in
Shakespeares "Der Sturm" über die Ausbeutung des Sylphen Ariel durch Prospero.
Das ganze Stück über beklagt sich Ariel über Unterbezahlung und Überstunden. Aber man
entdeckt Intoleranz im Hintergrund des Großteils der westlichen Magie, wenn Prospero
scheinbar die Göttin Juno anruft, und nachdem er sie "gebannt" hat, verkündet:
"Dies ist der Stoff, aus dem die Träume sind!"
In Marlowes "Dr. Faustus"
beschwört dieser nicht nur Helena von Troja, die Tochter des Zeus, er besitzt außerdem
noch die Frechheit, sie als seine Geliebte zu fordern! So fällt er zwischen alle
heidnischen und christlichen Stühle und landet im Abgrund.
Die Königin des Himmels, Juno, und
die Vier Erzengel Raphael, Michael, Gabriel und Uriel zu beleidigen, erscheint eher dumm
als schockierend! Jeder Hinterhof-Möchtegernmagier bestellt für jede Zeremonie den
Schutz der Erzengel und entlässt diese dann am Ende des Rituals wie ein Obergefreiter,
der Kompanie abtreten" befiehlt. Die, die dem linken Pfad folgen und Dämonen
rufen, können kaum dummdreister sein.
Wie kam es zu dieser überheblichen
Haltung von einfachen Sterblichen gegenüber den Göttern und Göttinnen, den Engeln und
Erz-Engeln, die einst voller Hochachtung verehrt worden sind? Der Aufstieg des
ausschließlichen Monotheismus durch den jüdischen Glauben, das Christentum und den Islam
ließ keinen Platz für andere Gottheiten. Die Götter des einen Zeitalters wurden zu den
Teufeln des darauffolgenden! Ein mittelalterlicher christlicher Theologe erklärte, daß
Magie erlaubt sein müsse, sofern sie dazu diene, die beschworenen Geister gegen ihren
Willen einem Christen zu unterwerfen! Darum wurden die Geister der Kirche unterworfen.
Sonst hätten sie ihren menschlichen Anhängern Ketzerei predigen können.
Dies ist der Grund, dass jedes
"übernatürliche" Wesen, Gottheit oder Erzengel der monotheistischen Gottheit
unterworfen werden musste. Es war eine Folge dieser Vorgehensweise, dass die Magier dazu
übergingen, eine Abstraktion des Einen Gottes zu gestalten. Denn sie fürchteten sich
davor, des Götzendienstes angeklagt zu werden, wenn sie Magische Abbilder erschufen.
Daher ist das Tetragrammaton in Wirklichkeit eine wissenschaftliche magische Formel.
Dies wiederum rief die orthodoxen
Autoritäten auf den Plan, deren Gottheit mehr als eine einfache Abstraktion war. So waren
jene die Magie praktizierten, von zwei Seiten bedroht: Einerseits war da der Zorn der
patriarchalen Gottheit, der Magie jeder Art ohnehin missfiel; und andererseits gab es die
ständigen Angriffe von der anderen Seite, den entthronten Göttern. Die Göttinnen sind
es gewohnt, sich von der Menschheit zurückzuziehen, wenn sie nicht geliebt werden.
Die Götter sind aktiver, wenn sie
missachtet werden. Darum wurde Satan, einst Jehovas älterer Bruder, jetzt zum Teufel. Der
von den Naturwesen geliebte Pan wurde als der Gehörte Gott gefürchtet. Luzifer, einst
gebenedeiter Gott der Venus des Morgensterns, wurde als Verkörperung des Stolzes nach dem
Fall angesehen. Beelzebub, einst Gott des Lichtes und der Wahrheit wurde ebenfalls der
Gegenseite zugeordnet.
Jetzt können wir die Ursache der
seelischen Krankheit des Westens erkennen, die zu paranoidem Dualismus und zu
Bruderkriegen auf der materiellen Ebene geführt hat. Die Anhänger der monotheistischen
Religionen waren "weiß" und von der Rechten Hand, denn sie folgten Recht und
Ordnung. Die heidnischen Anhänger der eher atavistischen, mit Fruchtbarkeit
zusammenhängenden Praktiken der Alten Religionen wurden gleichgesetzt mit
"Schwarzmagiern", denen von der linken Hand. Wenn man die beiden Seiten
betrachtet, fühlt man sich an Ritter erinnert, die in strahlenden Rüstungen und mit
farbenprächtigen Wappen in die Schlacht ziehen, und die man am Ende in ihren Rüstungen,
die alle mit dem gleichen grauen Schlamm des Schlachtfeldes bedeckt sind, nicht mehr
unterscheiden kann.
Erst jetzt wenden sich jene, welche
die ewige Verdammnis des patriarchalen Gesetzgebers fürchteten, trostsuchend der
Muttergöttin zu. Durch ihre Vergebung zieht sie alle ihre Kinder an, denn keine Mutter
verlässt ihr Kind, wie verdorben dieses auch sein mag. Auch birgt die Muttergöttin in
sich die Fähigkeit der Erlösung aller Lebewesen in der Verwandlung durch Wiedergeburt.
Durch Sie können wir alle wieder leben.
Die angemessene Beendigung eines
Rituals besteht in der Danksagung an die Gottheiten. In der Danksagung an die Göttin
drücken wir unsere Wertschätzung für unsere Wiedergeburt von Ritual zu Ritual, von
einem Tag zum darauffolgenden, von einem Leben zum nächsten aus.
Alle Sprachen sind bis zu einem
bestimmten Punkt willkürlich; und dies trifft ebenso auf die magische Terminologie zu. So
ist beispielsweise der Planet Saturn astronomisch gesehen der sechste Planet von der Sonne
aus. Seine Farben sind fahlgrün und ein wunderschönes Rosa. Er hat blass-schimmernde
Ringe. Aber in der okkulten Symbolik des Westens ist Schwarz die Farbe des Saturn, und
seine Zahl ist die Fünf. Im Mittleren Osten ist seine Farbe Rot, und seine Zahl ist die
Sieben. Es mag den Lernenden verwirren, dass man ihn gelehrt hat, sein Sternzeichen sei
der Widder, wenn doch die Sonne infolge der Präzession der Äquinoktien seit der
ptolemäischen Zeit in Wirklichkeit in den Fischen steht. Er lernt, dass der Zwilling
zweifacher Natur sei, obwohl er weiß, dass die beiden Sterne des Zwillingsgestirns
Parsecks (1 Parsek = 3,26 Lichtjahre) voneinander entfernt liegen. Er fragt sich, warum er
mit nur vier Elementen arbeiten soll, wo es doch viele mehr gibt.
Eine Antwort auf diese Frage könnten
die Vorraussetzungen geben, unter denen die Magier alter Zeiten die Menschen lehrten.
Diese Adepten könnten den Sternenhimmel als ein Bilderbuch benutzt haben, durch das sie
den frühen Menschen Göttliche Wahrheit vermittelten. So könnten im Westen, in China und
in anderen Gegenden unterschiedliche Legenden und Bilder für dasselbe Sternbild benutzt
worden sein. So wurde vielleicht die Verbindung zwischen Sternen- und Planetenwesen und
Menschen aufgebaut. Die Geheimnisse des Lebens wurden so in den Worten der Mythen und
Legenden von Mund zu Ohr übermittelt. Die Menschen werden sich immer mit der Umwelt, die
sie umgibt, in Verbindung setzen - mit den Tieren, den Bäumen und den Sternen. Der Mythos
ist die Sprache der Seele; und die Magie setzt diese Mythen für bestimmte Zwecke in
Szene. Wenn das jedoch alles wäre, dann wäre die Magie eine subjektive Technik, die
Leuten mit den Mitteln der Kunst und jungianischen Methoden dabei hilft, innere
Integration durch assoziative Symbole zu erreichen. Heutzutage gibt es viele, die auf
diese Weise Magie praktizieren und keine geistigen Kräfte für sich beanspruchen.
Die Riten in dieser Liturgie sind
nicht subjektiv, obwohl sie subjektive Elemente beinhalten. Die Beschreibung der Kräfte
entspringt ebenso der Erfahrung, wie die Visionen gesehen wurden und die in Bewegung
gesetzten Ursachen zu spürbaren Wirkungen führten. Und hier haben wir den großen
Unterschied zwischen denen, die durch Hellsicht, Hellhörigkeit, Levitation, Telekinese -
alles zusammen oder eines davon - Magie erfahren haben, und denen, die dies nicht haben.
"Jene, die wissen" können weder beweisen noch erklären oder überzeugen.
Alles, was sie tun können, besteht darin eine Regenbogenbrücke zu schaffen, durch die
jene, die sich nach magischer Erfahrung sehnen, ein wenig von dem alchymistischen Gold
erfassen können, das durch die Verwandlung der Elemente von einer Ebene in die andere
erlangt werden kann.
Es gibt unter wissenschaftlichen
Bedingungen aufgenommene Photographien, die das Strahlen zeigen, das von Objekten ausgeht,
die durch die Hände eines Heilers gesegnet wurden. Auf diese Art kann ein Amulett, ein
Stück Stoff, Öl oder Wasser aufgeladen werden. Wasser und Öl gibt die Energie schnell
weiter; in einem Stein hält sich die Kraft Jahrtausende lang. Das heilige Wasser der
Quellen und Flüsse erhält seine ständige Kraft aus den Steinen seines Bettes, die -
einmal aufgeladen - diese Ausstrahlung ständig an das Wasser abgeben.
Die oder der Praktizierende bewirkt
diese Aufladung, indem sie oder er die spezielle Absicht auf das Objekt überträgt. Ein
Segen kann auf das Gehirn wie eine elektrische Aufladung wirken. Chemische Veränderungen
im Gehirn können eine Veränderung der Nachkommenschaft des Betreffenden bewirken, denn
die Vererbung erworbener Eigenschaften geschieht durch Chemikalien. Es mag in einigen
Fällen anstelle der sehr langsamen natürlichen Selektion in unserer Entwicklung eine
Göttliche Erwählung geben.
Die Geheimhaltung von einigen
magischen Praktiken ist ebenso notwendig wie die politische "Verteilung" von
bestimmten wissenschaftlichen Formeln. Obwohl durch Philosophie und Religion die
sittlichen Gesetze des Lebens allen zugänglich sind, ist es für den Uneingeweihten
dennoch gefährlich, diese Mächte durch die Schlangenkraft und durch die okkulten
Elemente zu manipulieren.
Die sittliche Kontrolle ist eine
Notwendigkeit für alle Theurgiker. Es reicht in der Magie nicht aus, es gut zu meinen; es
ist notwendig, gut zu handeln.
Jedes Lebewesen trägt einen Baum des
Lebens in sich. Der Stamm dieses Baumes ist die Wirbelsäule; und um diesen Stamm winden
sich die "Melusina"-Schlangen, die beiden Kraftströme. Der eine Schlangenstrom
ist golden und gibt die Kraft der Hitze an den Körper weiter. Dieser Kraftstrom ähnelt
dem Flechtwerk eines Kolibris, bei dem winzige Einzelfäden an manchen Stellen miteinander
verflochten sind. Der silberne Schlangenstrom strahlt von zwei Punkten vom Kopf aus und
erscheint wie ein riesiges Hirschgeweih, das sich äußerlich in das energetische Netzwerk
des Universums fortsetzt.
Dies gibt die kühle Energie an den
Kopf weiter. So symbolisiert der Stab des Hermes ganzen Körper, ob dieser nun tierisch
oder menschlich, Vogel oder Schlange oder sogar unsere Erde ist. Um diesen Merkurstab oder
Caduceus winden sich zwei Schlangen, und er ist mit einer geflügelten Scheibe gekrönt.
Die seelischen Zentren oder Chakras
(sanskrit= Räder), die Lotusblüten oder Äpfel liegen an den Punkten, wo sich die beiden
Schlangenströme kreuzen. Jedes Zentrum hat unterschiedliche Farben und birgt verschiedene
geistige Gaben und Energien. Die Zauberin gibt dem Magier diese Äpfel, und gemeinsam
setzen sie ihre Kräfte zum Guten ein.
Intellektuelle und praktische Sorgen
haben in den vergangenen Jahrtausenden die Menschheit geprägt, besonders die Männer als
diejenigen, die das Brot verdienen und verteidigen. Um dieser Spezialisierung
entgegenzuwirken, vermittelten spirituelle Lehrer die Entwicklung des Herzzentrums, des
"Anahata-Chakras", der großmütigen Liebe. Durch die Entwicklung der
religiösen allumfassenden Liebe lernt man es, die Leidenschaften im Solarplexus-Zentrum
zu verwandeln und diese dann in die Ebene des Herzzentrums hinaufzuziehen. Man kann das
Zeichen des Planeten Mars visualisieren, das nach außen gerichtete Symbol des Kriegers,
den Kreis mit dem herausschießenden Pfeil. Dieses wird durch großzügiges Geben in das
Valentinsherz verwandelt, das den Pfeil empfängt. Im Äußeren wird dieser Verwandlung
durch die sakrale Benutzung von Essen und Trinken Ausdruck verliehen.
Nach dem altägyptischen Mythos waren
Seth und sein Volk Kannibalen bis Osiris sie davon abbrachte ihre Gefährten zu
verspeisen, indem er ihnen die Methoden des Ackerbaus und der Ernte vermittelte.
Jahrhunderte später lehrten der Buddha und seine Jünger in weiten Teilen des Ostens
Millionen den Vegetarismus. Opfergaben aus Blumen und Getreide ersetzten in den
hinduistischen und fernöstlichen Tempeln die Tieropfer. Verstärkt wurde deren
Wirksamkeit durch die Praxis von Yoga und andere Methoden zur Verfeinerung des
menschlichen Körpers.
Die westliche Überlegenheit in den
technischen Wissenschaften und intellektuellen Philosophien ist von religiöser
Rückständigkeit begleitet. Als Ersatz für Kannibalismus war es bei den Römern üblich,
dabei zuzusehen wie ihre menschlichen Gefährten in der Arena von hungrigen Tieren
aufgefressen wurden und sich daran zu erfreuen! Im gesamten Westen nahm man an, dass sich
die Gottheiten an dem würzigen Aroma von verbranntem Fleisch erfreuen würden. Es hieß,
dass der jüdische Gott Fleischopfer annahm, seit Abel Fleisch geopfert hatte und die
vegetarische Opfergabe Kains zurückgewiesen wurde. Langsam wich das Menschenopfer dem
Tieropfer; und die Christen ersetzten diese Praktiken durch die Verwandlung von Brot und
Wein in das Blut und den Leib des getöteten Gottes.
Im Westen geschah die theurgische
Verbindung mit dem Göttlichen hauptsächlich durch Essen und durch Töten. Tod und
Auferstehung wurden für die Priester und Magier zur fixen Idee. Die Theorie und Praxis
waren gleichermaßen patriarchalisch. Der Mann war der Jäger, der Mann speicherte das
Getreide. Er war der "Rote Mörder" und der "Erschlagene", wie es
Krishna in der Bhaghavadgita ausdrückt. Die Verbindung mit der Gottheit war eine Handlung
in Einsamkeit mit Praktiken, bei denen durch rituelles Essen entweder der Mensch oder der
Gott verzehrt wurden, und die man kaum sozial nennen kann! Eine fundamentale Veränderung
findet jetzt durch die Evolution der geistigen Zentren des Menschen statt und verkündet
die Entwicklung eines neuen Typus von Männern und Frauen. Durch rituelle Hochzeit, die
gegenseitige Anziehung von Gegensätzen zu schöpferischen Zwecken wird eine neue
Menschheit geboren. Verschiedene tantrische, sufistische, ägyptische und westliche
heidnische Praktiken vermitteln die Aktivierung eines wenig bekannten Chakras.
Dieses rätselhafte Zentrum ist das
seelische Gegenstück zum Unterleibschakra. Es ist der Aset-Sitz des Parthenos und wird in
China "der Tempel des Himmlischen Herrschers" genannt. Bei beiden Geschlechtern
liegt es in der Herzhöhlung nahe der Milz; es ist hinter und unterhalb des Herzzentrums
und oberhalb des Solarplexus-Zentrums. Von den westlichen Okkultisten wurde es als
"die Sonne hinter der Sonne" bezeichnet, weil es durch die Ausstrahlungen des
Herzens und des Solarplexus verborgen ist. Es ist das Adytum, die verborgene Kammer der
Wiedergeburt, das Omphalos-Haus des Nabels. Jedes ägyptische Grab repräsentiert die-sen
Leib der Mutter, durch die wir wiedergeboren werden.
Die auf dem Türsturz abgebildete
Isis beschützt den Zugang mit ihren ausgebreiteten Schwingen. Auf den Abbildungen ist zu
sehen, dass die Schwingen am Rücken von diesem rätselhaften Punkt ausgehen.
Die Göttin wird kniend in ihrer
geflügelten Gestalt gezeigt, wie sie Osiris wieder zum Leben erweckt, damit Ihr der
Falken-Gott Horus geboren werden kann.
Durch den Göttlichen Zustrom durch
dieses Zentrum kann sich das Leben erneuern. Hierauf bezieht sich der Begriff der
Unbefleckten Empfängnis; die Göttin gebärt sich selber. Die Einbeziehung des Gottes -und
des Mannes- in den Schöpfungsakt wird durch die Teilnahme von Osiris - Horus - Eros -
Gabriel repräsentiert. Der sich selbst erneuernde Phoenix symbolisiert die
Parthenogenesis. Das rätselhafte Band, das den geistigen mit dem materiellen Körper
verbindet, ist das Gegenstück zur Nabelschnur, die das ungeborene Kind mit der Mutter
verbindet.
Tausende haben in diesem Jahrhundert
die Göttin gesehen; in den 70er Jahren häuften sich Ihre Erscheinungen. Sie erschien
einige Jahre lang körperlich sichtbar über der Moschee von On in der Nähe von Kairo.
Tausende von Moslems, Kopten und Anhänger anderer Religionen wurden zu Zeugen dieser
Erscheinung. Sie erschien zu verschiedenen Zeiten und für mehrere Stunden und es
entstanden Photographien dieser Erscheinungen. Hin und wieder war Ihr Erscheinen von
seltsamen weißen Tauben begleitet. Sie wurde "Isis", "Fatima" und
"Maria" genannt. Es heißt, dass diese Weiße Frau oder eine andere derartige
Besucherin, die sich 1917 in Fatima zeigte, einem Mädchen namens Lucia, das mit Ihr
sprach einen Wunsch übermittelt habe. Dieser bestand darin, dass ein Bild Ihres
unbefleckten Herzens geschaffen werde und zusammen mit dem Heiligen Herz Jesu verehrt
werden solle. Ihre Forderung, dass die ganze Welt Ihrem unbefleckten Herzen geweiht werden
solle, wurde vom Papst erfüllt. So haben wir die Vorstellung von zwei Herzen, die auf der
ganzen Welt verehrt werden sollen - das eine ist schon seit langem bekannt; das andere,
weibliche ist uns neu vorgestellt worden. Das Wort "unbefleckt" wurde schon
durch die geheimnisvollen Worte der Jungfrau von Lourdes übermittelt, als diese sagte:
"Ich bin die Unbefleckte Empfängnis." Hier können wir eine Verbindung zu dem
rätselhaften Zentrum des Parthenos erkennen. Die traditionelle Darstellung des Heiligen
Herzens zeigt ein Herz, das von einem Dornenkranz umgeben ist. Das Unbefleckte Herz ist
von Sieben Schwertern durchstoßen, die wir als Lichtstrahlen verstehen können. Man kann
diese Zwillingsherzen mit denen der hinduistischen Gottheiten Shiva und Parvati
vergleichen. Die beiden Herzen des griechischen Liebesgottes Eros und seiner Braut Psyche
sind von einem einzigen Pfeil getroffen. Noch heute ist dieses Symbol der Zwillingsherzen
der Liebe auf Valentinstag-Grußkarten sehr beliebt.
C.W. Leadbeater von der
Theosophischen Gesellschaft veröffentlichte farbige Abbildungen und Beschreibungen dieses
Zentrums, das er als Empfänger und Spender der sieben "Prana"-Kanäle oder
Kraftströme ansah. Er wurde von Kritikern dafür ausgelacht, dass er dieses
"unbekannte" Chakra einführte und damit das Sexualzentrum ersetzte. Letzteres
wurde als viktorianische Prüderie angesehen. Leadbeater war bemerkenswert hellsichtig.
Offenbar steht dieses Chakra in Verbindung zum Sexual- und zum Kehlkopfzentrum. Es
produziert Kreativität aller Art: geistige Projektion, Heilung, künstlerische
Ausdrucksfähigkeit und gesunde Schwangerschaft. Geistige Wiedergeburt durch die
Muttergöttin wird durch ihre Verborgene Rose bewirkt.
Es gibt eine weitere wichtige
Veränderung in der magischen Praxis. Diese betrifft zwei Zentren im Gehirn, die Zirbel-
und die Hirnanhangdrüse. Diese sind auch geistige und mentale Zentren - genauer gesagt,
das Dritte Auge und das Innere Auge. Das Äußere Auge ist das Uatchat-Auge des
Horusfalken. Das Innere Auge ist das Auge der Göttin. Walisische Magier nennen es das
Eulenauge der Göttin Bloddeuwed. Während der vergangenen dreitausend Jahre, dem
Eisenzeitalter, war der Mensch im Überlebenskampf zur Entwicklung der linken
Gehirnhälfte gezwungen, welche die rechte Seite des Körpers einschließlich der rechten
Hand kontrolliert, die diese Werkzeuge benutzt. Die linke Gehirnhälfte übermittelt den
Gebrauch der Sprache und damit auch der Logik. Der linear -logische Teil des Gehirns
führte zur Kontrolle der menschlichen Entwicklung durch Technologie - von der Entwicklung
des Rades bis zum Bau von Atomreaktoren. Er hat der Menschheit Gesetze und Denksysteme
gegeben; er ist das Kennzeichen für Zivilisation.
Die Gaben der rechten Gehirnhälfte,
welche die linke Seite des Körpers beherrschen, gerieten während dieser Periode der
geistigen und praktischen Entwicklung in Vergessenheit und Verruf. Gefühle und Instinkte
ordnete man Frauen, Kindern und "primitiven" Stämmen zu! Währenddessen blieben
die seelischen Zentren, die mit dem Gehirn verbunden sind, verhältnismäßig unentwickelt
und wurden als unwichtig angesehen. Das Auswahlsystem des Überlebens der körperlich
Stärksten wich dem Auswahlsystem des Überlebens der Gescheitesten; so wurden die
Seelenkundigen immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Jene, die diese Erde beherrschen,
haben die Entwicklung jener geistige Zentren besonders deswegen missachtet, gefürchtet
und behindert, weil diese Entwicklung die Entstehung einer neuen menschlichen Rasse mit
visionärem und intuitivem Bewusstsein fördern wird. Denn natürlich wollen Menschen,
denen die Fähigkeiten der Vision, Telepathie, Vorahnung und Telekinese fehlen, diese
Kräfte bei anderen unterdrücken! Doch trotz Missachtung und Verfolgung wird den
Seelenkundigen die Erde als Erbteil zugesprochen.
Wenn die goldene Dämmerung den
Himmel erleuchtet, wird die Sekhmet-Zauberin, die in jeder Frau ist, aus einer Trance
erwachen, die Tausende von Jahren währte. Die Löwin bewegt sich.
Sie weckt ihren Geliebten, den
Magier, der in jedem Mann ist, aus seiner todesähnlichen Trance. Gemeinsam erschaffen sie
eine neue Magie des Lebens, und die Kräfte, die von ihnen ausgehen, wecken ihre
Gefährten. Jedes Lebewesen in der Natur nimmt an ihrem Spiraltanz der Schöpfung teil.
Und die Sidhe (= weise keltische Naturwesen) und alle Elementenwesen führen den Tanz in
andere Ebenen. Urania, die Muse der Magischen Künste inspiriert gemeinsam mit ihren
strahlenden Schwestern Musiker, Sänger und Dichter; und sie bringen ihre Gaben zu denen,
die wieder anfangen zu fühlen, zu hören und zu sehen. Die Musik aus den Sphären die uns
umgeben, erreicht die Ohren, die seit langem taub waren. Die Hohen Olympischen Gottheiten,
die Gottheiten von Asgard und Devachan und Tir Na Nog und die Dichter des Elysium segnen
die magischen Riten. Die Silberpfeile der Artemis und ihrer Nymphen erwecken den Großen
Gott Pan aus seinem langen Schlaf. Die ganze Natur wird ins Gleichgewicht gebracht.
Unabhängig davon, welche
Fortschritte in der Entwicklung durch die Magie verursacht werden mögen oder welche
Kräfte durch die Gottheiten vermittelt werden - es ist das Bewusstsein des Empfangenden,
durch das diese Gaben zum Guten gereichen. Das Böse ist nur ein verzerrter Schatten der
Wirklichkeit und kann sich daher nicht in der ewigen Wirklichkeit behaupten. Daher führt
jeglicher Missbrauch okkulter Kräfte zu deren Niedergang und zur körperlichen und
seelischen Degeneration des Praktizierenden. Selbstsucht ist eine Schwäche des Betenden.
Die Sünde des religiösen Fanatikers besteht darin, dass er andere verfolgt. Das Versagen
des Magiers ist die Machtgier. Denn Magie bedeutet, zu handeln; und aktives Handeln
impliziert den Wunsch der Ausbreitung durch Aktivität. Die Rücksicht auf andere ist
daher notwendig. Man bedenke die grauenhaften Auswirkungen der Wissenschaft, die geschehen
konnten, weil Wissenschaftler es zuließen, dass die Früchte ihrer Arbeit zur
Unterwerfung und Ermordung von Tausenden, ja Millionen ihrer menschlichen Gefährten
benutzt wurden.
Es besteht die Gefahr, dass sie die
Zerstörung aller Lebewesen und die Verschmutzung von Land, Luft und Meer durch ihre
Arbeit zulassen. Den Okkultisten, dem das Bewusstsein für das Gute fehlt, könnte ein
ähnliches Schicksal ereilen. Die Seele zu zerstören kann weit schlimmer sein als den
Körper zu verletzen. Darum müssen jene, die sich mit Magie beschäftigen, das Gute
fördern, um dabei mitzuhelfen, unsere Erde in das zu verwandeln, was sie sein soll: ein
Paradies.
In diesen Magischen Riten stehen die
Götter mit dem Äußeren und die Göttinnen mit dem inneren Arkanum in Verbindung außer
bei dem Planeten Venus. Die kreative Imagination ist notwendig für den Praktizierenden,
der nach seinem wahren Ursprung sucht. Jedes einzelne Individuum kann diese Riten
praktizieren.
Die Fellowship of Isis bietet
"Attunement"-Zeiten zur Morgen- und zur Abenddämmerung an. Dies ist jeweils von
6.30 - 8.30 morgens und abends. Da die Mitglieder über die ganze Welt verstreut leben,
wird sicher immer irgendjemand mit der Göttin Kontakt aufnehmen. Darum ist das Mitglied,
das eine Zeremonie allein durchführt, dennoch nicht allein; und falls es dieses wünscht,
kann es die Gegenwart anderer Mitglieder im geistigen Netzwerk spüren.
Der erste Schritt ist die Verehrung
der Gottheit, besonders der Göttin zusammen mit der Formulierung der Absicht. Hilfreich
sind einfache Handlungen wie die Darbringung von Weihrauch und das Entzünden von Kerzen.
In einem Raum, besonders in der Stadt, ist es gut, die genauen Himmelsrichtungen sowie die
Positionen von Sonne, Mond und den Sternen zu kennen. Die sorgfältig ausgearbeiteten
Beschreibungen der Roben und Ritualsgerätschaften unterstützen die kreative Imagination
des Praktizierenden, sogar wenn dieser in seinem Wohnschlafzimmer zelebriert! Denn hat
nicht jeder einen Farbfernsehbildschirm in seinem Kopf, auf den man am besten mit
geschlossenen Augen schaut.
Wenn nur der vom Schicksal
geschlagene Dr. Faustus die Gottheiten verehrt und gute Absichten gehabt hätte, er hätte
seine Herzenssehnsucht gefunden: das ganze Himmelreich in einer Blüte zu erkennen! Er
kann es wieder versuchen. Magier machen das dauernd!